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Unruhig trommelten Lakimas kleine Finger auf das Geländer vor ihr. Sie hatte ihr bestes Gewand an und nichts geschah.
„Wo bleibt er nur?“, fragte sie die Welt im Allgemeinen, während ihr Fuß über ein Stück kostbaren Stoffes von einem Sofa schabte. Es hatte Stunden gedauert, bis sie der Zeremonie entsprechend fertig gekleidet war und nun fiel es ihrem Prinzen und zukünftigen Gemahl ein, gar nicht erst in ihr Reich zu kommen. Wütend kratzten ihre Zehen über den kostbaren Teppichboden unter ihr.
„Er wird sicher bald kommen, Herrin“, erklärte die Zofe an Lamikas Seite mit gespielter Langeweile. Dasselbe hatte sie schon seit Stunden gesagt und mittlerweile schien sie selbst nicht mehr daran zu glauben, sie schien sich Sorgen zu machen. Lakima richtete sich noch einmal das gut geschneiderte Gewand auf ihrem gepflegtem, dunkelgrauen Fell, während sie die Nase in den metaphorischen Wind reckte. Irgendetwas schien ihr ganzes Reich Unterscheune in Aufruhr zu versetzen. Eine Prinzessin besaß Gespür für ihr Volk.
Unruhig schwang ihr Rattenschwanz hinter ihr. Sie mochte es nicht, wenn etwas ihr Volk in Aufregung versetzte und noch weniger mochte sie es, wenn das vor ihr geheim gehalten werden sollte.
"Sosang, komm her."
"Ja, Herrin?"
"Du bist mein Diener und mir zur Treue verpflichtet."
"Natürlich Herrin!"
"Gut, dann erzähle mir auf der Stelle, was hier vor mir geheim gehalten wird!"
Der Ratterich duckte sich und machte sich noch kleiner. "Vergebt mir Herrin, aber... das würde ich nur sehr ungern."
Lakima lächelte ihn gefährlich an: "Überlege dir einfach, was schlimmer wäre: Mir die Wahrheit sagen, oder mich wirklich wütend zu machen."
Unsicher schaute Sosang zu ihr hoch. "Mit wirklich wütend meint ihr sicher keine aushaltbare Wut, oder?"
Lakima sah ihn ohne ein Lächeln ernst in die Augen. "Nein."
Sosang brach ein. "Also gut, es geht unter den Sammlerbrigaden das Gerücht um, dass dein Prinz vom Kater Wek aufgehalten wurde."
Lakima schaute ihn noch etwas weiter an. Doch Sosang schien nichts weiter sagen zu wollen.
"Achso." Mehr sagte sie nicht, als sie sich umdrehte und in ihre Kammer zurückkehrte. Innerlich kochte sie vor Wut. Wie konnte ihr Prinz sich einfallen lassen, sich aufhalten zu lassen? Sie zog ihre festliche Kleidung aus und nahm stattdessen ihren grünen Umhang hervor, der mit den aufgestickten Flügeln. Sie schulterte ihren Bogen, den sie selbst aus einem Holzstück im Trockenholzgebirge gemacht hatte und warf sich den Köcher voller Pfeile über die Schulter. Wie pflegte Großmutter schon zu sagen? Selbst ist die Frau!
Ihre Diener würden sie keinesfalls gehen lassen. Das verstieße gegen die Tradition. Sie müsste warten, bis der Prinz ganz oder in Teilen zu ihr kam. Erst dann konnte sie heiraten, durfte sich Königin nennen und ihr Volk führen. Aber Lakima wollte das Risiko nicht eingehen. Eine ihrer Ahninnen hatte schon vorgesorgt. Ein geheimer Fluchttunnel führte sie durch den Kleiderschrank hinaus aus Unterdielingen.
Lakima blinzelte verbissen als die an die frische Luft trat. Vor ihr erstreckte sich das Gebirge von Si'lo. Ein weites, windgepeitschtes Ödland aus zerborstenen Felsen. Der Weg würde gefährlich werden, aber schneller konnte sie nicht voran kommen. Sie spannte ihre Muskeln an und wollte gerade los sprinten, als jemand an ihren Schwanz packte und sie fest hielt.
"Was-?" Weiter kam sie nicht, denn da preschte der riesiger Metallkäfer vorbei, der über das kurze Band roter Steinwüste vor ihr jagte.
"Euer Diener bittet untertänigst um Verzeihung!", erklärte Sosang mit einer tiefen Verbeugung.
"Was machst du hier?", fuhr die Rattenprinzessin ihn an.
"Ich bin euch zu Treue und Schutz verpflichtet, wo auch immer ihr seid", bemerkte Sosang und blickte noch einmal zur Steinwüste.
"Du bleibst hier, es ist viel zu gefährlich!", fuhr Lakima ihn an.
"Ich habe den Eid geleistet bis in den Tod zu dienen und zwei Ratten sind besser als eine bei den Gefahren dieser Welt." Er führte ihren Blick noch einmal zur Steinwüste, wo fast jedes Jahr ein armes Mitglied ihrer Sippe von dem Riesenkäfer zertreten wurde.
"Na gut, aber ich kann nicht auf dich mit aufpassen."
Sosang nickte zur Antwort und gemeinsam schauten sie sich erst um und rannten dann durch die Steinwüste zum Gebirge von Si'lo. Das war auch der Moment, in dem sie den gellenden Schrei hörten.
"MEINS!", gellte es über ihnen.
Lakima drängte Sosang weiter, der sich umschauen wollte. Scharfe Krallen fuhren von oben herab. Plötzlich roch es nach Rattenblut. Der Ratterich machte eine Rolle, hetzte aber weiter. Das Gebirge war genau vor ihnen und in aller Eile schlüpften sie sich unter die Ausläufer, um Luft zu holen.
"Verdammter Falke", grollte Lakima und sah sich Sosangs Verletzung an. Zum Glück war sie nicht tief.
"Wohin jetzt?", fragte Sosang erschöpft.
"Wir können nicht über das Gebirge. Also besuchen wir mal unsere Schwestern in den Werken. Ich habe lange nichts mehr von ihnen gehört, aber ich hoffe der alte Pakt hält noch." Lakima suchte die Ausläufer langsam und vorsichtig ab, damit Sosang wieder zu Atem kommen konnte.
"Ah, hier haben wir den alten Eingang."
"Was für ein Glück, dass sie offen ist. Ich war noch nie gut in Rätseln, erst recht in fremden Sprachen." Sosang rümpfte kurz die Nase bei dem eigenwilligen Geruch, der ihnen entgegen schlug.
Gemeinsam drückten sie die Tür noch etwas weiter auf und spähten in das schummrige Licht. Langsam formten sich die Umrisse in der Höhle vor ihren Augen. Eine kleine Kammer, dahinter ein Gang und darin viele Skelette, gespickt mit Pfeilen und kurzen Speeren.
"Deswegen haben wir nichts gehört. Was ist hier passiert?" Lakima beugte sich über die alten Waffenreste.
"Wir sollten einen anderen Weg nehmen, lass uns zurück gehen." Gerade als Sosang sich umdrehte, war da schon ein scharfer Schnabel, der nach ihn hackte. Er quiekte erschrocken, doch ihm antwortete nur ein "MEINS!" Dann flappte der Vogel und brachte mit seinem Gewicht und seinen Scharfen Krallen den Eingang zum Einsturz. Donnernd schlugen die Felsen auf sie nieder, und es bedurfte allem Geschick des Rattenvolkes um nicht erschlagen zu werden. Die beiden Ratten flohen tiefer in den Gang. Es brauchte keine Worte für das Offensichtliche. Ihnen blieb nur weiter zu gehen. Innerhalb des Gebirges erstreckte sich ein wahres Labyrinth an Gängen und immer wieder viel zu große Kammern.
"Was sollte das werden?", hauchte Sosang.
"Ich schätze, sie wollten Platz haben", murmelte Lakima.
"Schlecht zu heizen und es könnte einstürzen. Sie waren offenbar etwas verrückt."
Zum Beweis tippte er an eine Säule, die geräuschvoll in sich zusammen brach und einer halben Lawine von oben Platz machte. Erschrocken quiekte Sosang laut auf.
"Danke dir, wer auch immer hier noch lebt sollte uns jetzt gehört haben. Komm!"
Die beiden Ratten stürzten vorwärts. Lakimas grüner Umhang flatterte hinter ihr, als aus allen Richtungen viel höheres Quieken ertönte. Einzelne Pfeile sausten an ihnen vorbei und eine Speerspitze bohrte sich direkt vor Lakima in den Boden. Sie stürmte darüber hinweg und hoffte den richtigen Gang zu wählen!
Mit einem warnenden Pfiff hielt Sosang sie zurück. Lakima warf sich auf den Boden und bremste scharf ab. Gerade noch rechtzeitig konnte sie vor den Speerspitzen flüchten, die im Dunkeln auf sie gewartet hatten. Sosang prallte gegen ihren Rücken. Wo sie auch hinsah waren Schatten und das Blitzen von Augen im schummrigen Dunkel. Sie waren umzingelt. Lakima rümpfte die Nase. Ihr Bogen war gespannt und ein Pfeil lag auf der Sehne, ohne dass sie groß nachdachte. Damit würde sie zumindest den ersten Angreifer zu töten. "Mäuse, auch das noch."
Es umgab sie ein nasenbetäubender Gestank und die Mäuse hielten sie in Schach, griffen aber noch nicht an. Ob es an ihrem Bogen lag? Dabei war es doch nur ein Pfeil. Warum nur? Warteten sie auf etwas?
In einer wellenartigen Bewegung setzten sich die Mäuse plötzlich auf, als ein Erdbeben die Höhlen vibrieren ließ. Ein lautes, disharmonisches Gequieke ertönte, als die vielen Mäuse schnell in die Gänge verschwanden. Von Ferne hörten sie die beinahe anfeuernden Rufe: "Trak-Tor-Trak-Tor-Trak-Tor!"
"Was soll das?", fragte Lakima, doch Sosang zog sie schnell in die nächste Höhle.
"Es heißt, der Berg von Si'lo wird immer wieder von einem Wesen angegriffen, das sogar noch größer ist, als der Riesenkäfer. Trak-Tor!"
Das Beben um sie wurde stärker, noch während sie rannten. Da kamen spitze Zacken von oben durch die Decke und senkten sich unbarmherzig und schnell in den Berg. Mit einem Satz sprangen sie auf die Zähne zu. Lakima kam gerade noch darunter hindurch, doch Sosang war nicht schnell genug und knallte vor die harte Wand.
"Lauf! Flieh!", schrie er hinter der Wand.
Lakima starrte ungläubig auf die harte Wand, die den monströsen Kiefer von Trak-Tor bildeten und dessen Zähne sich sich immer noch tiefer bohrten. Der Schrei verstummte, die Gewissheit bohrte sich wie ein glühender Nagel in ihr Herz. Dann rannte sie, während Tränen ihre Wangen hinunter liefen. Der arme Sosang. Unvermittelt öffnete sich der Ausgang vor ihr und sie fand sich vor einer riesigen Steppe wieder. Sie hatte schon von dem Gebiet gehört, es wurde Stelp' latz genannt. In der Ferne lockte der Anblick von dem riesigen Gebirge, in dem der Prinz wohnte. Die Steppenbewohner dazwischen waren eigenwillige Gestalten. Sie nannten sich Klucks und hatten durchaus Ähnlichkeit mit Falken, nur dass sie sich nicht gleich blind auf alles stürzten, was sich bewegte und als gnadenlos dümmlich galten.
Lakima wollte die Klucks lieber umgehen, doch kaum war sie von Traurigkeit gehetzt auf die Steppe gerannt, war sie von einigen der Vögel umrundet. Im Nu sah sie nichts mehr als braune und weiße Federn.
"Mitkommen!" Schrieen sie. "Oberhahn entscheidet!"
Die Wortgewalt der Klucks war weithin bekannt. Es war sinnlos sich gegen diese Schar zu wehren und sie waren zu dumm, um mit ihnen zu reden. Solange die Klucks einen Auftrag hatten, füllten sie ihn direkt aus oder vergaßen ihn in der nächsten Sekunde.
Zwischen den bewehrten Beinen der Klucks und ihren scharfen Schnäbeln fühlte Lakima sich zumindest einigermaßen sicher vor den anderen Gefahren hier draußen. Dennoch schmerzte der Verlust von Sosang sehr. In mitten dieser geistlosen gefiederten Menge fühlte sie sich einsamer als jemals zuvor. Dennoch, das eigentümliche Gegackere ihrer Eskorte beruhigte sie auf seltsame Weise.
Bald kamen sie vor einem stinkenden Misthügel an, auf dem der Oberhahn mit seinem farbenprächtigen Gefieder thronte. Die Klucks hatten wohl auch keinen Geruchssinn, das war ganz offensichtlich. Der Gestank drohte einem in den Schädel zu steigen. Lakima atmete nur noch flach, um einen klaren Kopf zu behalten.
"Du in Kluck-Gebiet eingedrungen. Warum?", fragte der Hahn.
"Ich muss zum Berg von Hausingen, um meinen Prinzen aus den Fängen von Wek zu befreien.", fasste Lakima zusammen.
"Uns egal, Angebot?" Der Kopf des Hahns ruckte herum.
Lakima stand die Angst in den Augen. Nichts, was sie dabei hatte, war für die Klucks von Interesse. "Ich bin doch nur eine arme Ratte, bitte lasst mich passieren. Ich werde auch überall von meiner Begegnung mit den ehrenwerten Klucks erzählen, wenn ihr wollt erzähle ich auch von eurer Wildheit, oder davon wie schön ihr seid, oder-"
"Still!", gellte der Hahnenschrei. "Ihr gehen. Ich mich um Ratte kümmern!"
Die Klucks gehorchten und stoben auseinander, bis auf die, die den Befehl schon wieder vergessen hatten und vom Hahn angepickt wurden. Lakima wartete gespannt, eine Flucht wäre noch zu gefährlich mit all den Klucks um sie.
"Mitkommen!", befahl der Hahn und Lakima folgte, sorgsam darauf bedacht, wo sie hingehen würden, um bestmöglich fliehen zu können.
"Erzähl mir mehr von deinem Abenteuer und von deinem Volk", verlangte der Hahn gedämpft.
"Naja, was wäre für dich denn von Interesse?", frage die Rattenprinzessin, bemüht sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen. Der Hahn konnte ganz Sätze hervorbringen? "Ich meine, Unterdielingen ist schon ein alter Ort und wir haben viele Legenden in unserer Geschichte und- warum sprichst du eigentlich so ganz normal?"
"Alles Popanz und Getue. Längere Sätze würde bei den Hühnern nicht ankommen. Aus irgendeinem Grund vergessen sie alles, was länger als fünf Wörter ist. Deshalb haben wir auch keine eigenen Namen, die bleiben nicht im Kopf. Eine Gnade, damit sie nicht vor Trauer vergehen um all die Kinder, die ihnen von den Giganten geraubt werden. Ich bin eine Ausnahme, warum auch immer."
Lakima bemerkte, dass sie direkt auf Hausingen zu hielten und nicht weiter behelligt wurden.
"Aber was soll ich nun für dich tun?"
"Etwas Gesellschaft zum Reden finde ich schon sehr angenehm, das ist Bezahlung genug."
So erzählte Lakima den ganzen Weg über von ihren bisherigen Abenteuer und von den Legenden ihres Reiches. Der Hahn war ein guter Zuhörer und stellte immer wieder Fragen, wenn er etwas nicht verstand. Zwischendurch holte er ein paar Körner von seinen Klucks, die Lakima gleich verschlang.
"Da wären wir. Scheuningen", stellte der Hahn schließlich vor der hohen Wand fest, in dem ein riesiges Holztor saß. "Ich komme nicht mit hinein, ich trau dem Kater nicht."
Das schummrige Innere von Scheuningen stellte das Gebirge von Si'lo komplett in den Schatten. Es war von innen völlig ausgehöhlt, sodass nicht etwa ein Berg mit Gängen war, sondern vielmehr eine riesige Wohnung! Eine Halle, deren Dach man für den Himmel halten mochte. Der Kater war leicht zu finden, denn er lag auf einem Haufen mit Heu und lachte, während seine kleinen Nachkommen mit etwas Grauem spielten.
Lakima griff nach ihrem Bogen und verfluchte sich, dass sie keinen Plan zurecht gelegt hatte.
"Lass das", knurrte der Kater von oben herab. "Damit machst du dich nur unglücklich."
Die Ratte ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie war eine gute Schützin. "Gebt mir den Prinzen und keiner muss leiden", presste sie hervor, während der Kater sich aufrichtete und streckte.
"So, du willst deinen Prinzen retten? Ist er dir zu glücklich hier?" Lakima stutzte verwirrt, ohne den Bogen sinken zu lassen. Der Kater lächelte umso breiter. "Wie wärs, wenn ich ihn dir mal zeige?"
Damit hob er das graue Bündel am Schwanz hoch, das lachend quiekte.
"He, lass mich wieder runter, das Spiel ist noch nicht vorbei!"
Ungläubig starrte Lakima den Prinzen an, der ein paar blutig Kratzer aufwies. Wek ließ ihn herunter zu ihr. "Da ist deine Prinzessin, die dich retten will."
Der Prinz schaute sie an. Wirkte zumindest kurzzeitig etwas verlegen und erklärte dann: "Ich bin jetzt ein Spielgefährte der Katzen. Sie sind besser als Könige, sie sind Götter des Hofs, verstehst du nicht? sogar die Giganten füttern sie. Sie brauchen uns nicht zu fressen, sie wünschen sich nur Spielgefährten. Tut mir leid, aber ich werde nicht mit dir kommen."
Lakima konnte kaum fassen, wie dumm und naiv ihr 'Prinz' war. Sie dachte an die Gefahren und Abenteuer, die sie dafür auf sich genommen hatte. Kurz stellte sie sich ein komplettes Leben mit ihm vor, dann dachte sie an Sosang. Selbst ihr Diener wäre ein besserer Prinz gewesen. Der Diener, der für ihre Suche mit dem Leben bezahlt hatte. In einem Aufwallen maßlosen Zorns schoss sie ihm einen Pfeil in den Fuß und grollte: "Dann geh weiter spielen."
Der Ratterich quiekte schmerzerfüllt auf, da kamen die Katzen herunter gesprungen und umringte ihn. Sie waren noch jung und für sie war es wirklich nur ein Spiel, wie sie den Prinzen immer wieder stießen und boxten, oder mit ihren Krallen kratzten. Lakima schulterte ihren Bogen und ging langsam zur Tür. Doch Wek stand ihr im Weg: "Glaubst du, ich lasse dich so einfach gehen?"
Schmerzhaftes Quieken ertönte hinter ihr. "Was willst du von mir?"
Wek leckte sich über die spitzen Zähne und schnurrte dann: "Meine Kinder sind tüchtig, und dein Prinz verwundet. Sie werden bald neuen Zeitvertreib brauchen. Du solltest ihr neues Spielzeug werden."
Das Quieken wurde zu einem gellenden Hilfeschrei, ehe es ganz erstarb. In Lakimas Bogen lag längst ein neuer Pfeil, doch wusste sie, dass sie keine große Chance gegen dieses Wesen hatte. Doch wollte sie sich nicht geschlagen geben. Der Eingang war so nah und da war auch ein stetiges Klucken vor dem Tor.
"Such dir jemand anderen! Die Klucks sind doch eine würdige Herausforderung!"
Wek lachte trocken: "Du bist schonmal da und diese dummen Klucks mit ihren bescheuerten Hahn dürfen wir nicht anrühren, das mögen die Giganten nicht."
"Bescheuerter Hahn?", schallte es laut von draußen, hinter Wek, der sich schnell umdrehte und etwas duckte, aber antwortete: "Als könntest du auch nur drei Worte mehr verstehen. Ich kann dich nennen, wie ich will. In fünf Augenblicken weißt du nichts mehr davon. Soll ich dich vielleicht den Misthaufenkönig nennen? Oder den Fürst der Würmer?" Wieder lachte Wek für sich.
Lakima machte sich bereit, als sie sah, wie der Hahn sein prächtiges Gefieder aufstellte und mit ausgebreiteten Flügeln auf den Kater zu stürmte. Ein schriller Schrei begleitete seinen Angriff. Wek sprang fauchend zur Seite, um dem scharfen Schnabel auszuweichen, doch der Hahn rannte weiter, auf Lakima zu, setzte über sie hinweg und erst jetzt bemerkte sie, dass hinter ihr die kleinen Katzen schon auf sie gelauert hatten.
Auch diese Katzen machten einen erschrockenen Satz zur Seite, während der Hahn umdrehte und Lakima ausladend einen Flügel hin hielt.
Einen Kluck zu reiten musste schwer sein. Sich auf den wütenden Hahn zu halten kam nahezu einer Unmöglichkeit gleich. Dennoch griff sie zu, so gut sie konnte. Der Kater versperrte erneut den Weg nach draußen und fauchte gefährlich, diesmal würde er nicht so schnell weg springen. Der Hahn beschleunigte noch einmal und breitete die Schwingen weiter aus. Mit einem kräftigen Satz und schlagenden Flügeln segelte er über Wek nach draußen und schlug dabei mit den Krallen nach ihm.
Frische Luft und Tageslicht umfing sie draußen, als der Hahn aufsetzte und direkt weiter lief. Erst, als Scheuningen außer Sicht war hielt er keuchend an. Lakima glitt zitternd von seinem Rücken herunter.
"Du hast mir das Leben gerettet," sagte sie bewundernd.
"Nicht der Rede wert, ich konnte Wek das nicht durchgehen lassen," erwiderte der Hahn erschöpft. "Wie ist es mit deinem Prinzen gelaufen?"
Lakima rümpfte die Nase: "Reden wir nicht über ihn. Der Tod als Spielzeug war ihm lieber als ein Leben mit mir. Du bist ein weit besserer König, als er ein Prinz."
Stolz plusterte der Hahn sein Gefieder auf und schüttelte die Erschöpfung ab. "Was machst du nun?"
"Ich gehe zurück nach Unterdielingen und heirate nicht mehr. Die Tradition besagt, dass ich erst einen Adeligen heiraten muss. Wen ich danach ins Nest hole, ist meine Sache," antwortete Lakima.
"Nimm dir doch ins Nest, wen du magst," gluckte der Hahn vergnügt.
"Die Tradition wird sehr ernst genommen," entgegnete die Prinzessin.
"Also, ich könnte schwören, dass ich die Hochzeitsworte aus der Scheune gehört habe. Damit hast du den Prinzen geheiratet, der dann aber leider dem Kater zum Opfer fiel. Wenn es jemand anzweifelt, kann er Wek dazu befragen."
Lakima wollte gerade etwas erwidern, aber der Vorschlag gefiel ihr viel zu gut. Damit wäre sie das Problem los. Sie umarmte ihn glücklich: "Vielen Dank!"
Der Hahn gluckte noch einmal fröhlich und brachte sie dann bis Unterdielingen.
Zum Abschied breitete er die bunten Flügel aus, verneigte sich vor Lakima und sagte: "Mein herzliches Beileid, oh Königinwitwe.
Eine Kurzgeschichte für eine gute Freundin. Ich hab sie ein wenig angelehnt an "Herr der Ringe", aber dazu sollten auch Ratten drin vorkommen.
Kritik und Kommentare sehr erwünscht! :)
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:iconphoenixunboken:
PhoenixUnboken Featured By Owner May 27, 2015
Wow das ist super!! Also ich schreibe selber, und finde diese Geschichte sehr schön! Vor allem ist es für den Leser einfach sich in die Hauptperson hineinzuversetzen da du den Anfang als Einleitung sehr menschlich gestaltet hast. Wunderbar, einfach wunderbar :3 Würde mich freuen, mehr davon zu hören!!
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:iconterralux:
terralux Featured By Owner May 28, 2015
Vielen Dank dir!
Bei Fantasy-Geschichten finde ich es immer wichtig, die Leser langsam heran zu führen. Wenn man da zu schnell einsteigt, verliert man häufig die Leser. (Kenne ich zumindest so von mir selber.)
Ich habe eine neue Geschichte schon fertig, allerdings sehr viel kürzer (nur 2 A4 Seiten). Die werde ich hier in den nächsten Tagen hochladen.
Danke für deinen Kommentar! :D
Reply
:iconphoenixunboken:
PhoenixUnboken Featured By Owner May 28, 2015
Bitte, gerne :)
Ich würde mich freuen auch weiteres von dir zu lesen.
Reply
:iconterralux:
terralux Featured By Owner May 31, 2015
Habe gestern eine neue Kurzgeschichte hochgeladen. Über Rückmeldung und Kritik würde ich mich natürlich sehr freuen! :)
Reply
:iconphoenixunboken:
PhoenixUnboken Featured By Owner May 31, 2015
Juhu *-* Ich freue mich erst Recht!! :)
Reply
:iconlizkay:
Lizkay Featured By Owner Feb 22, 2015  Professional Digital Artist
Heh, also ich muss schon sagen, das hat echt meine Phantasie angeregt. Ich bin erst bei den Mäusen ins Grübeln gekommen 'was könnte das sein' :giggle: Einen Bauernhof in eine Fantasy-Welt zu verwandeln, echt klasse, mir gefiel auch der Schreibstil und -fluss echt gut, hat mich richtig gefangen ;) Top! :thumbsup:
da muss ein weiterer Teil her :D

:wave:
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:iconterralux:
terralux Featured By Owner Feb 23, 2015
Vielen Dank dir! :D
Die Protagonistin war zum Teil von einer Freundin vorgegeben und da sie Mittelerde sehr gern mag, wollte ich beides irgendwie vermischen. Der Bauernhof kam da von ganz allein rein, passte aber einfach dazu. XD
Mal schauen, ob es bald ne Fortsetzung gibt, ich wollte als nächstes noch ein paar andere Kurzgeschichten für andere schreiben, damit ich Beispiele für Naturama hab. :)
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December 26, 2014
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