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Literature
Die Lehre der Vererbung 2
Atevora merkte, wie ihr Meister rasant größer wurde. Mit zunehmender Geschwindigkeit wuchs er in den Himmel hinauf. Erst als ihre Kleidung wie eine Flut aus Wolle über den Körper zusammen fiel, merkte sie, dass sie geschrumpft war. Mit Mühe begann sie sich aus den Haufen zu wühlen, der von selbst in Bewegung geriet. Panisch drückte sie Stoffbahnen beiseite und wurde doch mit in die Höhe gerissen. "Filia?", donnerte die Stimme Xerxons an ihren Ohren, während sie an den schwebenden Stoffwänden hinunter rutschte und sich unter ihr ein gigantischer Abgrund auftrat. Nach einem ewigen Fall im Sonnenlicht würde sie auf dem harten Boden aufprallen und als Matschhaufen enden! Schon sah sie die Pflastersteine nahen. "Nein!", schrie sie erschrocken auf und versuchte mit den Armen zu wedeln, um dieses Schicksal abzuwenden. Sie taumelte in der Luft, machte einen Überschlag, spürte Wind an sich zerren. Ein flappendes Geräusch erkl
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Literature
Die Lehre der Vererbung 1
Die Lehre der Vererbung
"Pomp und Seide", dozierte Xerxon vor seiner Schülerin, "das sind die Hilfsmittel, mit denen wir unsere Stärke ausdrücken. Wer sich besser als der König zu kleiden vermag, der steht über diesen."
Atevora hörte aufmerksam zu, während verschiedene Teile ihrer Verkleidung als kleine erwachsene Lady um sie schwebten. Sie warf ihr Plüschpony auf die Kommode, fischte ein Seidenhemdchen mit Rüschen heraus und zog es über. "Ich verstehe das schon, ich bin ja kein Kind mehr", erklang das Stimmchen der Neunjährigen und strafte der Aussage dadurch Lügen. Das weite Unterkleid fiel ihr währenddessen bis auf die Füße herunter und legte sich kühl auf die nackte Haut. Immerhin kratzte es weniger als viele der normalen Kleidungsstücke.
"Das sieht aus wie ein Nachthemd!", erklang verärgert Xerxons Stimme. Mit einer einfachen Geste sorgte er dafür, dass die Seide eng an ihrem Körper
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Literature
Feuriger Herrscher
Feuriger Herrscher
 
"Zum Turm, nehmt die Armbrüste!", schrie es durch Arellas Traum voll bunter Blumen. Ein metallisches Klingen schloss sich an, das mitten auf ihrer Blumenwiese völlig fehl am Platze wirkte. Ihr Horizont verblasste, die nahen Hügel explodierten in roten und blauen Blumenblätterwolken. Dann brach ihr der Boden unter den Füßen weg und sie fiel hinab.
Mit einem Zucken erwachte Arella. Im hellen Mondlicht suchten ihre blauen Augen die Zimmerdecke ab. Etwas stimmte nicht! Erschrocken warf sie sich zur Seite. Den Schrank kannte sie nicht und auch die Stühle waren falsch. "Bitte nicht!", fluchte sie still und schwang sich aus dem Bett. Ihre Füße nahmen die Decke mit und sie landete unbeholfen am Boden, wo sie sich schnell frei strampelte. Nervös ging sie zum Fenster. Die Hoffnung, dass sie sich irrte wurde im Keim erstickt, denn dies war nicht ihre heimische Stadt. Sie stieß sich zurück und fasste sich an den
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Literature
Weg der Gerechtigkeit
Ich verspürte einen rotglühenden Schmerz in der Seite. Erst dann kam mein Verstand in Bewegung und verhielt sich wie ein Lachs, der zu seinen Ursprung schwimmt.
"Aua", kommentierte ich. Neben mir erklang eine schmatzende Stimme: "Isual, Erbauer des Labyrinths von Zegest, glühender Verehrer der Gerechtigkeit und Strafer aller Sünder, erhebe dich und diene mir! Ich befehle dir, mich sicher durch dein Labyrinth zu führen. Isual, Erbauer des-"
"Ist ja gut", stöhnte ich und öffnete die Augen. Die schwarze Magie pulsierte durch meinen Körper und zwang ihn in unbedingten Gehorsam gegenüber der Stimme. Meine Gelenke krachten, während ich mich aufrichtete. Alles sah fahl aus, als würde ein Schleier meine Sicht verzerren.
Vor mir stand ein kleiner, fetter Mann mit einer reich verzierten, dunklen Robe. Er pausierte die Beschwörungsformel und nagte an einem gebratenen Hühnerbein.
"Willkommen im Nachleben", intonierte er dann mit eine
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Literature
Phoenix
Aus der Asche letzten Jahres
steigt herauf ein Funken Wahres.
Das verheißungsvolle Licht,
eine Bahn gen Himmel bricht.
Seine Flamme für uns zündet
und ein neues Jahr begründet.
Wir stehen unten staunen gar,
der neue Glanz kommt jedes Jahr.
Und lassen uns mit Hoffnung speisen,
woll'n wie jener Phönix reisen -
dem alten Staub restlos entrinnen,
ein neues Jahr mit Freud' beginnen.
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Mature content
Daemonenjagd :iconterralux:terralux 1 2
Literature
Drachenpakt
"Ich sagte doch bereits, dass ich keine Ahnung habe, wo die Edelsteine hin sind", beteuerte Lisa.
"Trotzdem verschwinden sie ständig, seit du hier bist. Wenn du es nicht warst, kümmere dich darum! Das ist meine letzte Warnung." Streng blickte Lady Caw aus ihren grünen Augen auf ihre junge Schmuckschmiedin herab. Lisa schüttelte es innerlich bei diesem Blick, der durch die Augen zur Seele drang. Sie senkte die Augen, doch den Blick spürte sie weiter.
"Kümmere dich darum", wiederholte die Lady leise, ehe sie den Raum verließ. Ihr schwarzes Kleid reflektierte schimmernd die warmen Farben der Werkstatt. Sie war zwar die Besitzerin und selbst Schmiedin, hatte aber angeblich nach ihrem Meisterstück mit den Worten "besser wird's nicht" das Werkzeug bei Seite gelegt und nie wieder angefasst.
Lisa ließ ihren Blick durch die Werkstatt schweifen. Die anderen Lehrlinge waren längst gegangen und machten Feierabend. Sie wollte dagegen länger ble
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Literature
Der schoenste Weihnachtsbaum
Echos verklingender Stimmen hingen über dem weihnachtlich verschneiten Acker. „He, seht euch mal meine starken Zweige an. Da wird sicher eine Menge Schmuck dran hängen können.“
Die kleine Tanne besah sich ihre krüppeligen Zweige, auf die jetzt kleine Schneesterne fielen.
„Mag sein, aber meine Zweige sind sehr gerade, das war gar nicht so leicht die so wachsen zu lassen.“
Krumm standen die Zweige der kleinen Tanne und machten an unpassenden Stellen einen Bogen.
„Ha, mit meinen Nadeln würde ich sogar ohne Schmuck königlich aussehen.“
Sie wäre wohl höchstens die Königin der Bettler geworden.
„Den hier auch?“ – „Neee, lass den mal stehen, der würde sich eh nicht verkaufen.“ – „Da hast wahrscheinlich recht.“ Das waren die Händler gewesen, welche die kleine Tanne verschmäht hatten.
Die kleine Tanne ließ ihre Äste hängen. Niemand wollte
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Literature
Lakimas Heirat
Unruhig trommelten Lakimas kleine Finger auf das Geländer vor ihr. Sie hatte ihr bestes Gewand an und nichts geschah.
„Wo bleibt er nur?“, fragte sie die Welt im Allgemeinen, während ihr Fuß über ein Stück kostbaren Stoffes von einem Sofa schabte. Es hatte Stunden gedauert, bis sie der Zeremonie entsprechend fertig gekleidet war und nun fiel es ihrem Prinzen und zukünftigen Gemahl ein, gar nicht erst in ihr Reich zu kommen. Wütend kratzten ihre Zehen über den kostbaren Teppichboden unter ihr.
„Er wird sicher bald kommen, Herrin“, erklärte die Zofe an Lamikas Seite mit gespielter Langeweile. Dasselbe hatte sie schon seit Stunden gesagt und mittlerweile schien sie selbst nicht mehr daran zu glauben, sie schien sich Sorgen zu machen. Lakima richtete sich noch einmal das gut geschneiderte Gewand auf ihrem gepflegtem, dunkelgrauen Fell, während sie die Nase in den metaphorischen Wind reckte. Irgendetwas schien ihr gan
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Literature
Der Loeffel der Hesinde
Die ältere Dame sah Lissa über den abgenutzten Tisch an. Ihre Gesichtszüge schienen schon vor Jahren in einer ernsten Maske erstarrt zu sein, aber ihre grauen Augen verrieten allerlei Gedankensprünge. „Nur damit ich euch richtig verstehe, ihr sucht was genau für ein Artefakt?“
Die Hesindegeweihte setzte ein sanftes Lächeln auf und erwiderte: „Der Löffel der Hesinde ist ein schon lange verschollenes Artefakt. Ich habe Aufzeichnungen gefunden, die zurückreichen bis vor zwei hundert Götterläufen. Anschließend wurde es nie wieder erwähnt, was wohl am Archivbrand von-“
„Bitte nur die Kurzfassung“, unterbrach Gylduria Deraccini sie.
Lissa atmete tief ein und erklärte dann weiter: „Jener Löffel soll ein mächtiges Artefakt gewesen sein, das es einem erlaubt durch Benutzung neue Weisheit zu erlangen.“
Gylduria strich mit ihren knochigen Fingern durch das graue Haar: „
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Literature
Ein verteufeltes Weihnachten
Ein verteufeltes Weihnachten
Prolog
„Ich liebe diesen Brandgeruch hier“, sagte Teufelchen Rudolph und flog eine weitere Schleife durch die Rauschschwaden. „Fast wie daheim.“
„Das sind Mandeln“, schnauzte Teufelchen Franz ihn an.
„Verbrannte Mandeln“, gab Teufelchen Bernd zu bedenken.
„Gebrannte Mandeln!“, korrigierte Teufelchen Karl.
„Ist mir gleich“, zischelte Teufelchen Rudolph fröhlich und flatterte mit den Spitzen seiner ledrigen Schwingen durch den bläulichen Zuckerqualm. Der Weihnachtsmarkt rings um sie war voll von alten heidnischen Symbolen und den Sinnbildern menschlicher Einsamkeit. Hier fühlte er sich wohl.
„Wenn wir uns dann fertig amüsiert haben“, grummelte Teufelchen Franz und drehte missmutig an seinem Schnurrbart. Mehr aus Trotz denn aus Elan sammelten sich die anderen drei Teufelchen um ihn. Ihre kleinen, für jeden Sinn des Menschen unsichtbaren Hufe schmolzen d
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Literature
San Crescendos grosser Herrscher
San Crescendos großer Herrscher
Verschlafen erwachte Yarrek in seinem Pool, da es einige seiner treuen Untertanen anscheinend gefiel Freudenschüsse abzugeben. Er sank etwas zurück. Sein Geburtstag konnte noch nicht sein. Jubiläum hatte er auch nicht.
Seine Kralle am Flügel fand ein Sektglas, das noch halbvoll war. Wie war das nur hierher gekommen? Egal, er nahm einen Schluck und erinnerte sich wieder, dass er selbst das Zeug geöffnet hatte. Widerlich. Er drehte sich ruckartig um, als eine Tür aufflog.
„Schnell, schnell, raus mit dir!“, kam es von der hübschen Greifin, die energisch auf ihm zugeschritten kam. Das Geratter im Hintergrund war lauter geworden.
„Schwillnisch“, brachte Yarrek hervor und grinste seine Geliebte Allena an, was wohl anzüglich wirken sollte.
„Bäh, du stinkst widerlich, seit wann trinkst du den Mist eigentlich? Und dein Grinsen kannst du dir sonst wohin stecken“, kam es von ihr,
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Literature
Wie meine Muse starb.
Wie meine Muse starb.
Die Reptilienausstellung war im Grunde nichts Besonderes. Eine Ansammlung von Terrarien, abgesteckten Umzäunungen und Glaswänden, hinter denen sich ein paar Tiere den Tag vertrieben. Dennoch, interessant waren sie. Während ich den Geißelspinnen recht viel Interesse entgegen brachte, ging ich an dem Chamäleon eher schnell vorbei. Zu normal, langsam und bekannt. Doch ein Glaskasten zog meine Aufmerksamkeit auf sich.
„Die Kobra“, war auf dem Schild zu lesen. Darunter natürlich eine Menge Fakten, die ich nach dem Lesen sofort wieder vergessen würde, oder eh schon kannte. Ich suchte das Innere ab, wie viele andere Besucher es schon getan hatten. Schmierige Abdrücke von Kinderhänden und Gesichtern auf Bauchnabelhöhe machten mir zum Glück nichts aus, da der Glaskasten relativ hoch und groß war.
Endlich entdeckte ich die Kobra zusammengerollt in einer Sandkuhle. Ich starrte sie an. Sie züngelte
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Mature content
Zombie Geschichte :iconterralux:terralux 0 12
Chibilumai colored by terralux Chibilumai colored :iconterralux:terralux 2 4
Literature
Ottersche
Ottersche…
Auf dem Rücken durch das Wasser treiben,
ohne hast und ohne Sorgen.
Wer soll den Otter nicht beneiden,
so ohne Angst vor Morgen?
Der Drache sitzt da am Uferrand,
still in sich versunken.
Kein Lächeln auf der Schuppenwand,
seufzt er in sich versunken.
Doch als der Otter schwamm vorbei,
so fröhlich voller Leben.
Das ist auch ihm nicht einerlei
und er schwimmt bald daneben.
So einfach kann es sein im Leben,
wenn man Freude sieht.
Am Otter mag sie häufig kleben,
drum lausche seinem Lied.
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The dragon archer by Mutabi The dragon archer :iconmutabi:Mutabi 11 3 Romantic Terralux sticker by Mutabi Romantic Terralux sticker :iconmutabi:Mutabi 8 3 Full shade commision for- Sphynxpunk by BrainDeadDork Full shade commision for- Sphynxpunk :iconbraindeaddork:BrainDeadDork 4 1 Sketch Commission Vulniir by wolfgryph Sketch Commission Vulniir :iconwolfgryph:wolfgryph 4 2 Annoyed Terralux by Mutabi Annoyed Terralux :iconmutabi:Mutabi 3 3 Knocked out Terralux by Mutabi Knocked out Terralux :iconmutabi:Mutabi 3 1 Lost by ElementalSpirits Lost :iconelementalspirits:ElementalSpirits 20 14 Demon of Night by Pechschwinge Demon of Night :iconpechschwinge:Pechschwinge 220 18 Meckerdrache by Pechschwinge Meckerdrache :iconpechschwinge:Pechschwinge 194 30 Simply Meadow by Mutabi Simply Meadow :iconmutabi:Mutabi 5 5 Commish Dragonyy by Perle-de-Suie Commish Dragonyy :iconperle-de-suie:Perle-de-Suie 6 14 Busy Mutabi by Mutabi Busy Mutabi :iconmutabi:Mutabi 6 8 Mini Terralux by ElementalSpirits Mini Terralux :iconelementalspirits:ElementalSpirits 16 3 Aurora Lights by ElementalSpirits Aurora Lights :iconelementalspirits:ElementalSpirits 24 6 Incensed Igniter by iamagri Incensed Igniter :iconiamagri:iamagri 497 15 Reindeer Games [Steps] by Lycienne Reindeer Games [Steps] :iconlycienne:Lycienne 13 1

Activity


Atevora merkte, wie ihr Meister rasant größer wurde. Mit zunehmender Geschwindigkeit wuchs er in den Himmel hinauf. Erst als ihre Kleidung wie eine Flut aus Wolle über den Körper zusammen fiel, merkte sie, dass sie geschrumpft war. Mit Mühe begann sie sich aus den Haufen zu wühlen, der von selbst in Bewegung geriet. Panisch drückte sie Stoffbahnen beiseite und wurde doch mit in die Höhe gerissen. "Filia?", donnerte die Stimme Xerxons an ihren Ohren, während sie an den schwebenden Stoffwänden hinunter rutschte und sich unter ihr ein gigantischer Abgrund auftrat. Nach einem ewigen Fall im Sonnenlicht würde sie auf dem harten Boden aufprallen und als Matschhaufen enden! Schon sah sie die Pflastersteine nahen. "Nein!", schrie sie erschrocken auf und versuchte mit den Armen zu wedeln, um dieses Schicksal abzuwenden. Sie taumelte in der Luft, machte einen Überschlag, spürte Wind an sich zerren. Ein flappendes Geräusch erklang hinter ihr. Dann gab es einen Ruck und ihr Fall endete. Die Luft fühlte sich anders an. Sie spürte sie am ganzen Körper.
"Oh wo bist du nur hin?", gellte laut Xerxons Stimme hinter ihr.
"Ich bin doch hier", brachte sie heraus, aber ihre Stimme verlor sich im Wind. Sie strengte sich an und gewann langsam ein wenig Kontrolle über ihre Bewegungen. Mit viel Konzentration schaffte sie es, sich auf Xerxons Schulter zu setzen und ihm ins Ohr zu rufen: "Ich bin auf deiner Schulter!"
Ihr Meister erstarrte kurz, die Hand auf halbem Wege zum Schlag erhoben. Dann entspannte er sich und führte sie vorsichtig zu ihr. Sie konnte seine Finger so groß sehen, wie nie zuvor. Da waren Narben und Rillen, ehemals verbranntes Fleisch und so weiche Haut, wie frisch einbalsamiert. Vorsichtig kletterte sie auf die Fläche. Und konnte nun auch Xerxons Gesicht aus einer Nähe sehen, die ihr beinahe Angst machte. Verjüngungszauber hin oder her, dies Gesicht gehörte einem älteren Mann. Derzeit zogen sich die Muskeln zuckend zu der drohenden Grimasse eines wütenden Donnergottes zusammen, was ihr Angst bereitete.
"Verdammter Zauber! Nun bist du auch noch eine Schmetterlingsfee", grollte ihr Meister und es klang für sie wie ein Orkan aus seinem Mund.
"Schmetterlingsfee?" Atevora sah sich um und an sich herunter. Tatsächlich hatte sie riesige Flügel auf dem Rücken, teils in Rosa, teils in Weiß. Sofort fiel ihre Stimmung. "Ich will keine bescheuerte Schmetterlingsfee sein!", protestierte sie mit ihrem leisen Stimmchen.
"Dann hilf mir einen Weg zu finden, den Zauber aufzulösen", murmelte Xerxon, "außerdem bist du nackt, Filia."
Die Schmetterlingsfee sah an sich herab. Sofort trieb es ihr die Schamesröte ins Gesicht und mit einem hellen Schrei stürzte sie sich in die Luft und schaffte es mit wenigen Flügelschlägen zu einem der abgeschnittenen Blätter, welches sie sich um den Körper wickelte. Die Flügel störten sie sehr, immer wieder wollte sie die Anhängsel weg drücken, aber jedes Mal, wenn sie nach ihnen fasste, schwangen sie nach hinten und sie drohte, das Gleichgewicht zu verlieren. Es fehlte ihr einfach an Kontrolle über diese riesigen Platten auf dem Rücken. Mit Mühe ließ sich das Blatt immerhin soweit befestigen, dass es nicht sofort herunter fiel. Verärgert drückte sie ein wenig daran herum. Bequem war es wirklich nicht. Die Feen in den Märchen hatten nie über ihr Kleidung gesprochen. Zum Glück konnte sie keinerlei Glitzerstaub an sich erkennen.
Dann merkte sie, wie ein Zittern über ihr Sitzblatt ging. Eine Art Trommeln näherte sich. Theatralisch wie auf einer Bühne sah sie sich um und fand sich fast in Augenhöhe einer riesigen Raupe wieder, deren scharfe Fresswerkzeuge gierig in das Blatt schlugen und es zerfetzten. "Dummes Mistvieh!", schrie sie auf, trat fest gegen den weichen Bauch und schwang sich schnell wieder in die Luft, wo die Raupe sie nicht erreichen konnte. Wieder brauchte sie einige Zeit, bis die riesigen Flügel sie zu Xerxon zurück getragen hatten. Dieser war offenbar dabei, vorsichtig eine verblühte Blume abzukneifen. Weiter war er offenbar noch nicht gekommen. Sie verfehlte seine Schulter, konnte sich aber auf seinen Arm halten. Er hob sie zu seiner Schulter, sodass sie darauf klettern konnte.
"Ich will keine bescheuerte Schmetterlingsfee sein!", zeterte sie wütend, "das Fliegen funktioniert nicht richtig, Insekten sind riesig und das Blatt juckt fürchterlich."
"In der Form kann ich dich nun wirklich nicht ernst nehmen", erwiderte Xerxon mit einem Grinsen. Dann schnitt er wieder ein winziges Stück in die Blume hinein.
"Das willst du Arbeit nennen?", fragte Atevora ungläubig.
"Man muss viel Konzentration dafür aufbringen!", widersprach Xerxon dem angedeuteten Widerspruch.
"Bist du denn am Schwitzen?", fragte seine Schülerin ein wenig spitz.
Xerxon richtete sich langsam auf und sah auf die Schere. "Hast du eine bessere Idee für Arbeit?"
"Ich musste mal bei den Flugechsen beim Ausmisten helfen. Das ist eine Drecksarbeit, die jeden Fluch und Zauber bricht! Spätestens der Geruch wird dich befreien, wenn das der Schlüssel ist", erinnerte sich Atevora, "insbesondere wenn die Echsen noch da sind und dich als ihren Spielgefährten betrachten."
Xerxon stieß widerstrebend einen Seufzer aus. "Dann versuche ich es vielleicht damit. Aber nicht lange. Wenn Zorlok nicht schon tot wäre, würde ich ihn umbringen!"
Er legte die Schere auf den nächsten Stein und machte sich mit Atevora auf den Weg zu den Flugechsen. Die Filia stand auf der Schulter ihres Meisters und balancierte den schwankenden Untergrund wie auf dem Deck eines Schiffes aus. Sie verfluchte jede Sekunde als Schmetterlingsfee.
Das Gehege der Flugechsen war ursprünglich angelegt worden, um ganz besondere Exemplare zu züchten. Dieses Experiment, wie es in der Akademie genannt wurde, hatte eine durchaus beachtliche Fläche erhalten und doch war die Anlage schon fast primitiv gehalten. An einem Abhang der einen Talkessel bildete war schlicht und einfach ein großes Metallnetz gespannt worden, gerade stabil genug, um die großen Echsen am freien Flug zu hindern. Dass die weite Eingangstür offen stand beunruhigte niemanden, da die Kolonie den Abhang mittlerweile als natürliches Brutgebiet betrachtete und keine Echse grundlos davon flog. Selbst das gelegentliche Ausmisten war mehr eine Geduldsprobe als Gefahr, da die Geschuppten die Arbeiter gerne als Spielkameraden sahen und bei ihrer Größe von etwas mehr als einem Pferd, waren sie nur schwer zu ignorieren.
Xerxon wog die Schaufel in der Hand und sah zweifelnd in das Gehege. "Ich hoffe wirklich, dass es sich lohnt, mir gehen langsam die Ideen aus, was noch der Schlüssel sein könnte."
Während er mit der Karre das Gehege betrat wurde Atevora wieder schummerig. Xerxon schien sich zu schütteln, als sie sich mit den Füßen noch fester klammerte. Der Schwindel in ihrem Kopf nahm zu, ganz klar spürte sie, wie ihre magische Kraft langsam versiegte, nur damit sie wieder einen anderen Körper bekam. "Hoffentlich nicht wieder eine Fee", schaffte sie noch gerade zu murmeln, ehe sie zur Seite sackte und haltlos an Stoff herunter glitt.
Sie erwachte wieder an der Seite des Geheges. Xerxon hatte sie offenbar hier hin gelegt und war schon angefangen zu arbeiten. Vorsichtig richtete Atevora sich auf und begann mit der Bestandsaufnahme. Sie spürte zwei Beine mit kräftigen Krallen dran. Schlange fiel also schonmal weg. Federn raschelten, als sie sich bewegt hatte. Sie musste ein Vogel sein! Ob sie auch Schwingen hatte? Neugierig sah sie hinter sich und erschrak, als sie den Kopf völlig problemlos halb herum drehen konnte. Sie erstarrte vor Angst, sich selbst das Genick verdreht zu haben. Dann sah sie jedoch die weißen Federn mit schwarzen Streifen. Schwingen hatte sie, jedoch nicht auf dem Rücken, sondern an den Armen. Sie dreht den Kopf wieder richtig und atmete innerlich auf. Voll Neugier öffnete sie die Flügel. Sie waren riesig! Endlich schoss ihr das passende Tier durch den Kopf: "Eine Schneeeule!"
Einen direkten Wortwitz konnte sie nicht erkennen, vielleicht gingen dem Zauber die Ideen aus. Kleidung hatte sie wieder nicht an, was durch die Federn aber nicht so schlimm war. Sie hörte Xerxon fluchen.
Schnell huschte sie in den Käfig und konnte sehen, wie ihr Meister anfing, Dreck und Kot aus einer Mulde zu hieven und in die Karre fallen zu lassen. Es war auf den ersten Blick deutlich, wie sehr er jede einzelne dieser Bewegungen hasste! Eine Flugechse baute sich über ihn auf breitete die Schwingen aus und hopste dann behände aber sehr knapp über ihn hinweg mit einem gackernden Schrei. Eine andere Echse kam herbei und beäugte ihn. Atevora konnte gleich sehen, dass dieses Schuppenvieh auf eine Menge Spaß hoffte. Gezielt schnappte sie nach ihrem Meister und konnte ihn problemlos am Gürtel halten und hoch heben. Xerxon schlug wütend um sich, konnte aber die Echse nicht treffen, die mit vollem Maule gackerte.
Atevora stürzte in den Käfig, als die große Flugechse begann mit Xerxon herum zu laufen, wie eine Trophäe. Ganz intuitiv begann sie mit den Schwingen zu schlagen und hob vom Boden ab. Wenige Sekunden später verfehlte sie die rotgrüne Flugechse nur knapp und landete kurz auf einem Steinvorsprung. Im nächsten Moment stieß sie sich schon wieder davon ab und erahnte den Kurs der Echse. Ihr Instinkt lenkte Schwingen und Schwanzfedern, eine ungeahnte Jagdlust erwachte in ihr. Diesmal versuchte sie das Tier frontal zu erwischen. Direkt in dessen Lauf tauchten ihre Schwingen plötzlich wie eine große Wand auf und die Echse bremste ab, drehte dann aber mit schnellen Schritten und hellem Gackern zur Seite weg. Dabei ließ sie Xerxon fallen, der den knappen Meter Sturz mit einem lauten Fluch kommentierte, sonst aber unverletzt blieb. Atevora hörte nicht weiter auf ihn. Sie schoss schon der umtriebigen Flugechse nach, die gerade offenbar hoch erfreut über die Spielgefährtin aus dem Käfig rannte und ebenfalls ihre Arme ausbreitete. Atevora dachte nicht weiter darüber nach, sie schoss dem Geschuppten hinterher und schraubte sich in die Höhe.
Der Wind zerrte an ihrem Gefieder und den Schwingen. Zugleich erfüllte sie ein wahres Hochgefühl. Wie dafür geschaffen glitt sie durch die Luft und erahnte in Sekundenschnelle, wie sie sich halten musste, um ihrer Beute auf der Spur zu bleiben. Eine harte Linkswende, dann steil nach oben, anschließend ging es im Sturzflug herunter, der in einer harten Rechtskurve abgebremst wurde. Hier oben fühlte sie sich zum ersten Mal wirklich frei! Voller Freude setzte sie die Jagd fort und schaffte es immer mehr den Geschuppten in die Fänge zu bekommen. Jedes Ausweichmanöver wurde leichter zu durchschauen und jeder Angriff wurde präziser. Einmal noch, dann hatte sie ihn. Sauber umschlossen die Fänge endlich den Hals ihrer Beute. Die geschuppte Echse krähte überrascht auf, geriet kurz ins Taumeln, aber das reichte Atevora schon, um einen guten Halt auf ihr zu bekommen und sich an sie zu pressen, den Hals hoch, bis ihre Finger an der Schwinge problemlos an den Hörnern des Flugechsenkopfes Halt fanden. "Gewonnen!", dachte sie noch, als sie Xerxons ruf hörte.
"Mistvieh! Gib die Schaufel zurück!"
Gekonnt lenkte sie ihr neues Reittier in eine enge Kurve und steuerte um den Hügel auf das Gehege zu. Eine andere Flugechse, groß und aggressiv hatte die Schaufel im Maul. Diese schien überhaupt nicht zum Spielen aufgelegt, sondern eher völlig wutentbrannt zu sein. Das passierte manchmal, wenn man zu nah an einem Gelege war, aber eine kleine magische Ohrfeige reichte dann meist. Siedend heiß fiel Atevora ein, dass Xerxon genau das derzeit nicht tun konnte!
Sie hielt mit ihrem Reittier auf die Beiden zu. Aus Richtung der Sonne kommend, bremste sie knapp vor dem aggressiven Muttertier ab. Ihre Echse breitete theatralisch die Schwingen aus und auch Ate nutzte diesen Trick. Groß und von der Sonne geblendet schien das aggressive Tier zumindest verwirrt zu sein, aber nicht für lang!
Ohne darüber nachdenken zu können, hatte Atevora die Echse schon mit allem geschlagen, was noch übrig war. Schwinge und Magie. Die Schaufel fiel herunter, die Echse ergriff mit Entsetzen die Flucht und Atevora knickte auf dem Boden ein. "Tut mir Leid", keuchte sie, "das war zu viel. Ich kann nicht mehr." Ihr Körper bäumte sich auf und sie erbrach sich an die Seite.
Sie fühlte sich völlig ausgebrannt und mit einem Schlag war das Hochgefühl des Fliegens verschwunden, es blieb nur eine matte Müdigkeit und die absolute Gewissheit, nie wieder aufstehen zu können. Xerxon beugte sich über sie.
"Du müffelst", brachte Atevora halb ohnmächtig hervor. "Sei still", kommentierte Xerxon, "du hast keine Nase und gar keine Magie mehr in dir. Solange du noch bei Sinnen bist, muss ich dich in dein Zimmer bringen. Die Arbeit hier war ein Fehlschlag."
"Finde ich nicht!", kam es plötzlich vom Gehweg her.
"Gerbald", zischte Xerxon wütend.
"Natürlich, ich habe deine Arbeit beobachtet und gesehen, wie du der Echse ausgeliefert warst und die ganze Zeit dachte ich mir, warum du nur nicht zauberst. Ein bisschen Magie und alles wäre erledigt. Sonst ist das für dich doch auch kein Problem. Doch dann erkannte ich endlich-" er schnippte mit den Fingern und ein kleiner, heller Energieball flammte auf, "dass du nicht zaubern kannst!"
Der Magier warf den Energieball hinab. Xerxon beugte sich schützend über Atevora und ein dumpfer Schock ging durch seinen Körper, als hätte er einen Schlag mit dem Hammer erhalten.
"Du arschgesichtiger Vollidiot hättest mit dem Treffer beinahe meine Filia verletzt!", rief er wütend. Atevora stand der Schnabel halb offen. Hatte ihr Meister gerade den anderen Magier beleidigt?
Gerbald lachte nur: "Also hatte ich Recht! Das wird ja sowas von dein Untergang werden! Ich werde mir deinen Posten schnappen!" Ohne weitere Drohung wandte der Magier sich ab und ließ Xerxon mit Atevora zurück.
"Danke", brachte Atevora noch hervor, während der Tunnelblick einsetzte und ihr das Denken immer schwerer wurde.
"Ich hätte nicht gedacht, dass er so weit gehen würde", murmelte Xerxon. "Scheiße!"
Es war das erste Mal, dass Atevora ihren Meister in dieser Verfassung sah. Mühsam half er ihr soweit es ging sich aufzurichten. Atevora bekam kaum etwas mit. Als sie beim nächsten Mal klar genug denken und sehen konnte, waren sie in ihrem Zimmer. Xerxon stand an ihrem Bett und drückte ihr grade ihr altes Plüschpony an die Hand.
"Danke", nuschelte sie und kuschelte sich an das Plüschtier.
Xerxon wich ihrem Blick aus. "Ich war vorhin beim Abendessen. Gerbald hat mich morgen zum Duell gefordert. Sollte ich verlieren, bin ich mein Amt und meine Stelle los. Ein Magier ohne Magie ist einfach gar nichts mehr." Tiefe Verbitterung war in seiner Stimme zu hören. Aber auch ein Funke Trotz, der sich bei ihm wohl nie löschen ließ.
"Ich werde ihn umbringen!", murmelte Atevora und spürte Hitzewellen der Wut in sich aufsteigen und eine kleine Stichflamme hinter ihren Worten in die Luft schießen.
"Erstmal musst du dich ausruhen. Du hast noch nicht einmal die letzte Verwandlung überstanden und willst schon ein Drache werden."
Er legte ihr eine Hand auf dem Kopf, eine überraschend nahe Geste, die sie verwirrte.
"Ich werde eine Lösung finden", versprach er sanft. "Bis morgen früh habe ich noch Zeit meine Magie wieder zu finden oder zu erlernen." Das Letzte hatte er sehr nachdenklich ausgesprochen, während er eine weiße Feder in der Hand hielt, die seiner Filia offenbar ausgefallen war.

Es war hell und warm, als Atevora erwachte. Die Sonnenstrahlen durchdrangen sogar die Vorhänge. Sie hatte Hunger, außerdem war es viel zu ungemütlich im Bett. Sie fühlte sich mittlerweile besser. Offenbar war ein Teil ihrer magischen Kraft wieder regeneriert. Insgeheim begann sie sich zu regen und zu zählen. Zwei Beine, kein Schwanz, normale Haut, zwei Arme. Aufgeregt setzte sie sich auf, doch tatsächlich war sie ein ganz normales, menschliches Mädchen, ganz und gar wie zuvor. Sie hatte keinen Zwergenbart und keine Elfenohren und erst recht keine Feenflügel! Keine Mischung aus irgendwelchen Wesen, sondern einfach nur sie selbst! War das gestern überhaupt alles echt gewesen? Sie setzte sich auf. Wenn dem so war, dann müsste Xerxon jetzt in echten Schwierigkeiten stecken, aber wenn nicht, hätte sie niemals so lange schlafen dürfen. Sie nahm eine Haarsträhne und konnte aus den Augenwinkeln schon sehen, dass diese eine Strähne schwarz und weiß gebändert war. Ähnlich wie bei einer Schneeeule! Das ließ nur den Schluss zu, dass alles am Vortag geschehen war! Schnell kontrollierte sie sich nochmal, aber außer der Strähne war nichts anders geworden. Nichts hielt sie jetzt noch im Bett! Sie sprang auf mit dem Plan, sofort zu Xerxon zu laufen. Kurz sah sie das Plüschpony, das so warm und süß im Bett lag. Ihr Schlüssel war ein Symbol für ihre Kindheit! Natürlich, denn nichts davon hatte Zorlok von der kleinen, erwachsenen Lady gesehen!
Schnell warf sie sich eine Robe über und eilte durch die wohlvertrauten Gänge. Sie waren alle verwaist. Nirgendwo erklangen Mahnungen, Schritte, Gelächter oder Anderes. Kein anderer Filii stolperte über die Marmorsteine. Ihre Schritte hallten einsam umher.
Als sie kurz stehen blieb, um wieder Kraft zu schöpfen, konnte sie endlich Geräusche hören. Sofort fiel es ihr ein: In der Großen Halle mussten sich alle versammelt haben! Dort war der einzige Raum mit genug Platz für ein solches Schauspiel von einem Duell zwischen zwei Magiern! Sie eilte schnell weiter.
Die Empfangshalle war vom Vortag noch immer sauber geputzt, jedoch fehlten die plappernden Magier in ihren bescheuerten Verkleidungen. Stattdessen konnte sie einige der Alltagsroben auf der Galerie sehen. Sie schienen in den Garten dahinter zu blicken und eindringlich zu diskutieren. Auch in den großen Rundbögen, die auf die Terrasse führten, standen Magier. Von dem Geflüster der Magier hallten immer wieder "Gerbald!" und "Xerxon!" in der Halle wieder.
Mit ein wenig Mühe schaffte sie es, sich durch die eng stehenden Leute zu drängen und ebenfalls auf der extra angefertigten, hölzernen Bühne dem Certamen beizuwohnen. Ganz dem Versprechen treu, Xerxon vor allen zu blamieren, hatte Gerbald den kämpferischen Wettkampf zur offenen Schau anlegen lassen und so war über Nacht die Bühne entstanden.
Mit großem Staunen beobachtete Atevora, wie die beiden Kontrahenten auf den Seiten der Bühne standen und sich ein schimmernder Saal um sie gebildet hatte. Die Arena bildete einen inhaltsfreien Raum nach, damit niemand sich verstecken konnte.
"Der erste Schlag auf den Körper entscheidet. Keine tödlichen Geschosse, wer die Arena verlässt, verliert. Beginnt!", rief der Erzmagus der Akademie mit einer ungeahnt kräftigen Stimme. Atevora konnte ihn nicht sehen, viel wichtiger war aber, dass sie Xerxon half! Sie sah Gerbald mit aufgesetztem, breiten Grinsen. Xerxon seinen Kontrahenten konzentriert an.
"Ich werde jetzt allen beweisen, dass du keinen Funken Magie mehr in dir hast!", rief er freudig und warf einen hellen Energieball auf Xerxon, der jedoch geschickt ausweichen konnte. Atevora staunte über die fließenden Bewegungen ihres Meisters. "Auch das wird dir nichts Nützen!", ereiferte sich Gerbald und schleuderte gleich zwei weitere Bälle, wobei der eine weit danebenging und der andere knapp an Xerxons Gesicht vorbei flog. Atevora klammerte sich an das Geländer. Was sollte sie nur tun? Kampfmagie kannte sie noch nicht! Vielleicht irgendetwas levitieren?
Gerbald Grinsen wurde manischer und er rief wutentbrannt, während er immerzu Energiebälle warf: "Du! Wirst! Nicht! Gewinnen!"
Atevora versuchte die Bretter nach oben zu levitieren, doch die schimmernde Kuppel blockierte ihre Versuche. Gebannt starrte sie auf ihren Meister. Sie hatte Xerxon noch nie so schnell gesehen. Sein Körper bog sich gekonnt durch, während die Energiebälle an ihm vorbei zischten und an die Begrenzung hämmerten. Dann bemerkte sie, dass gar nicht alle ihn verfehlten, sondern vielmehr einige von ihnen durch seine Handfläche abgelenkt wurden.
"Bist du langsam fertig? Ich denke, ich bin jetzt aufgewärmt", Xerxons herablassende Stimme klang selbstsicher über den Platz. Atevora wusste es besser, ihr Meister war hochkonzentriert und zu allem bereit. Sie konnte ihm nicht mit ihrer Magie helfen, aber womit dann? Sie wollte auf keinen Fall Gerbald zum Meister und der schien gerade explodieren zu wollen!
"Du wirst mir nicht entkommen!", keifte Gerbald und seine Hände begannen rot zu glühen. Seine Hände ruckten einmal heftig nach vorne und ein Stück der Bühne unter Xerxon bewegte ihn schnell zu Gerbald. "Gleich kannst du nicht mehr ausweichen!", schrie dieser. "Für dich bräuchte ich nichtmal Magie!", rief Xerxon, der auf den heran rasenden Bretterberg stand. Atevora traute ihren Augen kaum, als ihr Meister den Arm Gerbalds mitsamt der magischen Ladung nach oben ablenkte und seine andere Faust kräftig in Gerbalds Magen donnerte. Einige Magier duckten sich, als ein kräftiges Krachen im Schutzschild aufglühte und die deutlich zu starke Kraft von Gerbald entlarvte. Doch der Herausforderer sackte in sich zusammen. Atevora war tief beeindruckt. Sie hätte nie erwartet, dass ihr Meister zu so etwas in der Lage war. Neben ihr wurde heftig diskutiert, wobei das Thema zwischen der Rechtmäßigkeit von Gerbalds Anschuldigung bis zum Sieg Xerxons reichte.
"Das reicht nicht. Du wirst nicht gewinnen!", spuckte Gerbald aus, während Xerxon sich ein wenig von ihm entfernte. Ein gleißender Blitz erhellte die Umgebung und blendete die Umstehenden. Einen Augenblick später stand Gerbald schon wieder entfernt und formte mit seinen Händen ein kompliziertes Muster in die Luft, das Atevora noch nie gesehen hatte. Im nächsten Moment schoss eine Kaskade von Blitzen hervor, die durch die ganze Arena tasteten. Atevora betrachtete die lila Finger, deren Enden das Holz verbrannten, über die Bühnenbegrenzung strichen, gegen den Schild schlugen und wie eine unaufhaltsame Welle zu Xerxon herüber schwappten. Sie stürzten sich mit einem fauchenden Donnern auf den Erzmagus und hüllten seine Gestalt völlig ein. Atevora schrie auf, denn das musste Xerxons Ende sein! Ihre Hände gruben sich tief in das Holz und ließen es splittern, so fest packte sie zu. Das Grollen wurde zu einer Explosion aus zuckenden Geräuschen, dann brach es abrupt ab. Atevora traute ihren Augen kaum, als sie Xerxon völlig unversehrt dort stand. Sie blinzelte Tränen weg und sah genau hin.
"Keine tödliche Magie, Gerbald!", drang es wütend vom Akademieleiter.
"Du willst meine Magie sehen, Gerbald? Gut, dann sollst du und alle Zweifler sehen, was für ein Erzmagus ich bin!" Bei seinen letzten Worten donnerte Xerxons Stimme übernatürlich laut über die Bühne. Atevora bekam eine Gänsehaut und sie konnte beobachten, dass es anderen ebenso erging.
Eine Aura der Autorität formte sich um Xerxon. Umstehende geübte Magier wichen zurück. Wut legte sich wie eine Schlange um Atevoras Meister. Seine Magie lud die Umgebung auf und ließ Haare selbst außerhalb der schützen Kuppel zu Berge stehen. Eine Welle aus Angst, Euphorie und freudiger Erwartung durchzuckte Atevora. Ihr gab die Magie ihres Meisters gerade alle Hoffnung, ja Gewissheit zurück!
Ein Strom reinster Magie zog seine Kreise in exakten Bahnen um den Erzmagus. Gerbald würde Xerxon auf keinen Fall besiegen können, daran zweifelte schon jetzt niemand mehr. So heiß die Magie um Xerxon knisterte, so eisig war sein Blick, der das Urteil über Gerbald fällte. Dann ließ Xerxon mit einer sicheren und schnellen Bewegung die Magie wie einen reißenden Strom auf Gerbald zu stürzen. Sämtliche Bretter der Bühne auf dem Weg verwandelten sich schlagartig in Sägemehl. Gerbald saß in einem Strudel aus Magie und der kleinste Schritt würde ihn unweigerlich zerfetzen. Dann schossen aus dem Strudel scharfe  astrale Splitter auf Gerbald zu. Atevora sah seinen panischen Blick und hörte, wie sein Schild nach kaum zwei Treffern zerbrach. Gerbald schrie schmerzerfüllt und Atevora sah, dass die umstehenden Magier aufatmeten und neugierig zu Gerbald schauten.
Der feine Holzstaub der vernichteten Bühne bildete einen unwirklichen Schleier vor dem Schauspiel und ließ die Zuschauer husten. Es hatte keine Chance auf Entkommen gegeben. Der Schild Gerbalds war in tausende Scherben zerbrochen.
"Ich sagte, keine tödlichen Zauber!", erklärte der Akademieleiter wütend.
"Die Geschosse haben nur seinen Schild vernichtet und einen einfachen Treffer gelandet", erklärte Xerxon und wischte lässig seinen furchteinflößenden Magiestrudel in die Nichtexistenz. Gerbald kauerte auf dem Boden und hielt sich den Bauch. Dies war ganz offensichtlich nicht einfach nur ein Duell gewesen, sondern Xerxon hatte hier deutlich gemacht, was denjenigen blühte, die sich mit ihm anlegen wollten.
"Das Duell ist entschieden. Xerxon gewinnt", stellte der Akademieleiter nüchtern und ohne große Freude fest. Die Kuppel verblasste. Atevora atmete erleichtert auf und begann zu Xerxon zu laufen. Etikette war ihr egal.
"Nichts ist entschieden", kam es von Gerbald, "er muss betrogen haben, er hat keine Magie, ich habe es selbst gesehen!" Atevora sah Gerbald zu Xerxon springen. Sie selbst war am Rand der Bühnel angekommen. Mit einer beachtlich flüssigen Geste holte der Herausforderer ein Messer hervor und wollte damit auf Xerxon einstechen. Den genauen Bewegungsablauf konnte Atevora nicht verfolgen. "Nein!", schrie sie auf, denn sie wollte ihren gerade geretteten Meister nicht verlieren. Die lose Konstruktion unter Gerbald entflammte von Atevoras angestautem Zorn, der sich Luft machte. Doch das Messer wurde von Xerxon mit der Hand beiseite gedrückt, zugleich schnellte seine Faust nach vorne und traf Gerbalds Brust, was diesen anhob und mehrere Meter in die Luft schleuderte. Einen Schweif aus Rauch und Feuer hinter sich her ziehend, flog Gerbald weit in den Himmel.
Aus dem Nichts schoss eine Flugechse heran und Gerbald nutzte einen Energiestreifen, um sich an ihr fest zu halten. "Ich werde wieder kommen!", schrie er laut, während er mitsamt der Echse hinter dem Schloss verschwand. Atevora sprang auf die Bühne und ihr war es völlig egal, dass es nicht der Etikette entsprach, sie umarmte Xerxon. Ihr Meister drückte sie nicht von sich, was für Atevora ebenfalls ein deutliches Zeichen war.

Kaum eine Stunde später saß Atevora mit Xerxon und einigen anderen im weiträumigen Büro des Akademieleiters. "Ich will das unbedingt lernen mit der Faust!", ereiferte sich Atevora. "Freut mich, dass es dir gefallen hat, aber ohne einen wirklich guten Levitationszauber wird das nichts. Zum Glück hast du deine feste Gestalt wieder."
Die Filia nickte begeistert: "Ja, das Pony war es, ich fühlte mich gleich viel wärmer und besser, als ich es berührte!"
"Trotzdem hast du eine Strähne mit schwarzen Streifen behalten. Nunja, es gibt schlimmere Narben", murmelte Xerxon. Dann zeigte er ihr einen kleinen, rosa Ball. Mein Schlüssel war der Ball, mit dem ich als Filius vor so vielen Jahren die Levitation erlernte. Das war für mich damals eine echte Herausforderung gewesen."
Atevora bekam große Augen. Es war sehr selten, dass Xerxon eine Schwäche zugab. Im nächsten Moment verstummten aber alle Gespräche, denn der Akademieleiter erklärte: "Kommen wir nun zum letzten Willen von Erzmagus, Doctore Illuminati magni ascendi Zorlok, der hier einige Probleme verursacht hat. Seine Hinweise hierzu sind leider eigensinnig, wie er es auch war."
Damit zerbrach er das Siegel um eine Pergamentrolle und entrollte sie. Alle sahen gespannt auf den Akademieleiter, der jedoch keine Anstalten machte, das Pergament zu lesen. Es dauerte nicht lang und eine feine Linie erhob sich. Die Tinte wurde lebendig und begann in unheimlicher Weise Zorloks Gesicht in den Raum zu malen.
"Dann bin ich also tatsächlich gestorben? Wie unvorteilhaft. Musste ja irgendwann so kommen. Dann lasst mich mal sehen." Mit eindrucksvoller Mimik suchte er offenbar kurz alle Anwesenden im Raum ab. Dann hub er wieder an zu sprechen.
"Ich kann meinen Enkel nicht erkennen. Warum ist er nicht anwesend?"
"Er hat sich mit Erzmagus combattandi Scharlachmagier Zorlok ein Certamen geliefert und ist anschließend geflohen", erklärte der Akademieleiter missmutig. Offenbar hatten ihm die Entgleisungen von allen möglichen Seiten nicht gefallen.
"So ein Pech. Eine Frage: Hat er in letzter Zeit eine wahrhaft freundliche Tat ohne Hintergedanken begangen?", fragte der Tintengeist. Das allgemeine Schweigen und die ratlosen Gesichter waren ihm offenbar Antwort genug und er fuhr fort: "Also hat er seinen Schlüssel wohl nicht gefunden. Welch ein Pech, ich hatte mir mehr von meinem Enkel erwartet. Wenn er nicht einmal dazu in der Lage ist, wird er nichts mit meinem Stab oder Buch anfangen können."
Nun waren alle Gesichter wieder gespannt auf ihn gerichtet, da dies die Dinge waren, die alle am meisten interessierten.
"Gut, ich teile seinen Erbteil wie folgt auf: Mein Stab soll an Xerxon gehen, so er sich vom Fluch hat befreien können." Xerxon lächelte und zauberte flüssig einen leuchtenden Energieball in seine Hand. Das Tintengesicht grinste breit. "Ich sehe, die Magie stammt von dir, du hast deinen Schlüssel tatsächlich gefunden! Zusätzlich sollst du also alles von mir erhalten, was ich im Folgenden nicht erwähne, aber besitze. Meine Socken zum Beispiel."
Xerxons Lächeln wirkte auf einmal weit hölzerner und gequält, während Atevora sich konzentrierte, um nicht laut zu lachen.
"Deine Filia, Atevora, hat sie wieder ihre eigene Form? Tatsächlich, ganz deutlich zu sehen, du hast zu dir selbst zurück gefunden! Meinen Glückwunsch! Dafür sollst du mein Buch erhalten, in dem ich immer wieder meine eigenen Zauberkreationen dokumentiert habe."
Atevora starrte den Tintengeist an. "Sein Notizbuch?", fragte sie neugierig. "Genau das! Ich habe es versiegelt, aber vielleicht findest du auch dafür einen Schlüssel!", lachte die Tinte. Es klang zwar nicht gehässig, aber Atevora war sich schon jetzt sicher, dass sie Zorlok noch sehr viel öfter verfluchen würde. Es folgten noch einige andere Erbberechtigte. Einige hatten ihre Schlüssel gefunden, andere wussten nun zumindest, wie der Fluch zu brechen war.
Atevora sah das dicke und schwere Buch auf ihren Schoß an. Tatsächlich hatte es ein Metallband um und war offenbar mit einem echten Schlüssel gesichert. Oder war dies wieder Tarnung? Ohne Frage war es ein großer Schatz, die Frage war nur, ob sie ihn bergen konnte.
"Ich werde dieses Rätsel schon noch lösen", murmelte sie. Kurz darauf stieß sie Xerxon vorsichtig an.
"Kannst du mir den Schlag nochmal zeigen und beibringen?", fragte sie hoffnungsvoll.
Die Lehre der Vererbung

"Pomp und Seide", dozierte Xerxon vor seiner Schülerin, "das sind die Hilfsmittel, mit denen wir unsere Stärke ausdrücken. Wer sich besser als der König zu kleiden vermag, der steht über diesen."
Atevora hörte aufmerksam zu, während verschiedene Teile ihrer Verkleidung als kleine erwachsene Lady um sie schwebten. Sie warf ihr Plüschpony auf die Kommode, fischte ein Seidenhemdchen mit Rüschen heraus und zog es über. "Ich verstehe das schon, ich bin ja kein Kind mehr", erklang das Stimmchen der Neunjährigen und strafte der Aussage dadurch Lügen. Das weite Unterkleid fiel ihr währenddessen bis auf die Füße herunter und legte sich kühl auf die nackte Haut. Immerhin kratzte es weniger als viele der normalen Kleidungsstücke.
"Das sieht aus wie ein Nachthemd!", erklang verärgert Xerxons Stimme. Mit einer einfachen Geste sorgte er dafür, dass die Seide eng an ihrem Körper klebte. Kurz darauf kamen ein paar Nadeln geflogen und sorgten dafür, dass alles dort blieb, wo es jetzt war. Atevora mochte nicht sagen, dass es ihr unangenehm war und sie Angst hatte, die Nadeln würden das Kleid direkt in ihre Haut mit einnähen. Von ihr wurde erwartet, dass sie sich wie eine Lady benahm und Erwachsene jammern und weinen nicht. "Ich weiß ja nicht", merkte das Mädchen an und zupfte die Seide um ihre kaum ausgebildeten Brüste zurecht. Der feine Stoff fand einfach keinen Halt und sackte herunter.
"Was du noch nicht an Körper hast, das müssen die Rüschen verdecken", erklang die Stimme ihres Meisters. Natürlich legte er wieder kein bisschen die Hand an sie, stattdessen flogen ein paar Stoffteile heran und füllten die Lücken aus, bis Atevora mit einem leicht verlegenen Lächeln den Stoff unter dem Seidenhemd zurecht drückte, sodass auch wirklich zwei Hügel erkennbar waren und nicht ein einziger, deformierter Berg. Die Rüschen zwickten sie unangenehm, aber sie verkniff sich jeden Kommentar.
"Lass hören, was du gelernt hast. Das nächste Kleidungsstück ist?", fragte Xerxon erwartungsvoll.
Atevora überlegte kurz, dann deutete sie auf das Oberkleid. "Das mit diesen Stufen drin, nicht wahr?" Als Antwort begann sich das Kleid auf sie zuzubewegen. Atevora nahm es in Empfang und betrachtete es kritisch. "Wie soll man da denn rein kommen?", fragte sie verwirrt. Der ganze Stoff mit den ineinander verwobenen Lagen barg ein unlösbares Rätsel. Xerxon seufzte und mit ein paar Handbewegungen begann das Kleid die vorgesehene Form anzunehmen. "Wir werden das später nochmal richtig üben, du merkst schon jetzt, dass die Levitation einer der wichtigsten Alltagszauber ist, nicht wahr? Die Grundlagen beherrscht du, aber zum Ankleiden wirst du später noch weit mehr Konzentration brauchen." Dann begann das Kleid sich wie eine fleischfressende Stoffblume über sie zu stülpen und aufzufressen. Atevora streckte die Arme hoch, damit es keinen Widerstand gab, als der Stoff über das Seidenhemd glitt. Kurz blieb er auf perfekter Höhe schweben, sodass das Mädchen die Arme durch die Träger bewegen konnte. Im nächsten Moment drückte der Stoff zu. Es war der Schülerin, als wenn der Stoff versuchte sie zu zerquetschen. "Zu. Fest!", brachte sie hervor. Doch nichts änderte sich. Schwer atmete sie und sah im Spiegel, wie ihre Taille ein gutes Stück dünner als sonst war. Gefühlt bewegte sie sich zwischen Ersticken und Übergeben. Nur ganz allmählich ließ die Enge nach, offenbar hatte ihr Meister ein Einsehen. Dennoch war sie beinahe stolz darauf, dass kein Klagelaut über ihre Lippen gekommen war.
Als sie sich wieder gefangen hatte, bemerkte sie, dass Xerxon aus purer Angeberei zugleich noch einen vollen Tonkrug an seine Lippen levitierte und daraus trank.
"Du wirst noch sehr viel Übung brauchen", erklärte er und Atevora fragte sich insgeheim, ob sie jemals dermaßen angeben wollen würde. Doch schon bedeutete ihr Meister, mit der Auswahl fortzufahren.
"Die Schuhe!", platzte es aus ihr heraus. Kaum einen Moment später flogen hochhackige, Türkise Schuhe heran. Gerade wollte sie sich setzen, als Xerxon den Kopf schüttelte. Was erwartete er nur von ihr? Dann fiel es ihr ein: "Ich muss mich levitieren und die Schuhe darunter?" Ein Nicken bestätigte ihre Vermutung. Mit einiger Konzentration schaffte sie, was die meisten Magier als "tägliche Routine" kannten. Sie levitierte sich gerade so hoch, dass sie in die Schuhe schlüpfen konnte, die unter ihr bereit standen. Diese passten ausnahmsweise recht gut. Offenbar gab es noch mehr Menschen mit kleinen Füßen. Trotzdem fiel sie fast der Länge nach hin, als sie sich absetzte. Anfangs war es noch ganz in Ordnung so zu stehen, aber kaum dass sie einen Schritt versuchte, geriet sie ins Straucheln.
"Eine Lady fällt nicht hin!", rezitierte sie für sich selbst, um sich zu weiterer Konzentration anzuspornen. Das brachte ihr ein beinahe anerkennendes Lächeln von Xerxon ein, aber so ein Ausdruck war seiner Mimik fremd. "Was als Nächstes?", fragte er stattdessen.
Atevora sah sich die verbleibenden Kleidungsstücke an. "Die Seidenhandschuhe", entschied sie. Prompt schwebten sie heran und diese zumindest waren kein wirkliches Problem. "Dann bleibt ja nur noch die Perücke", schloss sie mit Erleichterung.
"Nicht ganz", setzte ihr Meister nach, dennoch bewegte sich die Perücke über ihren Kopf und nachdem ihre weißen Haare sich zu einem strengen Knoten zusammengebunden hatten, setzte sie sich wie eine viel zu schwere Katze auf sie. Beinahe sofort begann das Jucken. Es war, als wenn Millionen Flöhe in der turmartigen Haarpracht nur auf den nächsten Kopf gewartet hatten. Ihre Hand war auf halbem Weg oben, als ihr laut wie Donnerhall Xerxons Stimme durch den Kopf wallte: "Eine Lady kratzt sich nicht unter der Perücke!" Sie erstarrte. War das nun Telepathie, oder nicht? Sie war sich nie so sicher, ob Xerxon dies überhaupt konnte. Aber allein sein frostiger Blick genügte, um ihre Hand unterhalb der Taille zu lassen.
Das Kleid drückte sie viel zu eng. Die Brüste waren zu stark herausgearbeitet, sie wankte wie auf Stelzen und ihr Kopf juckte. Wer auch immer sich diese Mode erdacht hatte. Atevora beschloss demjenigen einige saftige Ohrfeigen zu verpassen.
"Fertig!", schloss sie mit einem gezwungenen Lächeln.
"Noch nicht!", entmutigte Xerxon sie. "Für den letzten Schliff beim Pomp und Gloria kommt es auf die Schminke an. Gehorsam schloss Atevora die Augen, während Xerxon zu arbeiten begann. Sie konnte zwar nicht sehen, was er tat, aber seine unterdrückten, unausgesprochenen Flüche und der nasser Lappen, der über Teile ihres Gesichts strich konnten nur eines bedeuten. Er war nicht gewohnt, eine Frau zu schminken. Atevora hoffte nur, dass sie nachher nicht wie ein Narr aussah.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erklärte ihr Meister: "So, öffne die Augen und sieh dich an."
Gehorsam tat sie, was er verlangte. Im Spiegel konnte sie ein kalkweißes Püppchengesicht erkennen. Zerbrechlich wie aus Porzellan wirkte sie. Der Mund stach knallrot aus der weißen Landschaft heraus und ihre Augenbrauen waren ernst nachgezogen. Dazu fehlte auch der aufgemalte Schönheitsfleck nicht.
"Der Sinn dieser Schönheitsflecken erschließt sich mir wirklich nicht", merkte sie an und bewegte die Hand dorthin.
"Bleibst du wohl mit deinen Fingern aus dem Gesicht!", blaffte Xerxon sie an und sie ließ die Hand schnell wieder sinken. "Ich vermute, es hat irgendetwas mit einzigartiger Persönlichkeit und der Vollkommenheit des Unvollkommenen zu tun."
"Sehr einzigartig, wenn jeder den Fleck an derselben Stelle hat", merkte Atevora an.
"Für eine Neunjährige gehört es sich nicht, das zu hinterfragen", erklärte Xerxon. "Trotzdem muss ich dir Recht geben. Ertrag es wie eine Erwachsene. Du weißt, dass wir heute eine Show abgeben müssen. Wir müssen dem alten Doctore Zorlok zeigen, dass wir eine mächtige Institution sind."
"Damit wir auf Augenhöhe mit ihm reden können", vollendete Atevora Xerxons Rede. "Ich weiß, ich werde mir alle Mühe geben, erwachsen zu scheinen und dich nicht enttäuschen. Diese Verkleidung ist dennoch bescheuert."
"Nicht jede Show gefällt auch dem Schauspieler", schloss Xerxon mit einem Schulterzucken. Dann verschwand ihr Meister hinter einer Stellwand. Sofort begannen seine Kleider zum Leben zu erwachen. Innerhalb kürzester Zeit war er samt Perücke, weißen Seidenstrümpfen und kurzem, roten Mantel eingekleidet, ja sogar dezent geschminkt. Atevora staunte über dieses Geschick. Seine Stöckelschuhe klackten immer im exakten Doppeltackt, während er sicheren Schrittes zu ihr zurück kam.
"Die meisten Magier erleichtern sich die Prozedur, indem sie ein wenig schweben, aber ich fürchte du bist nicht sicher genug, um das wirklich hinzubekommen."
Atevora nahm sich vor, das während der Wartezeit zumindest zu versuchen. Bevor sie zur Tür hinaus gingen, sah Xerxon sie nochmal scharf an. Atevora holte tief Luft, soweit das Kleid es zuließ und erklärte dann: "Ich habe mich wie eine kleine Erwachsene zu benehmen. Keine Kindereien und keine Magie, die ich noch nicht völlig sicher beherrsche." Xerxon nickte offenbar zufrieden und nahm sie an der Hand, um sie zu begleiten und notfalls Peinlichkeiten verhindern zu können.
Mit der Zeit gewöhnte das Mädchen sich zwar an die seltsame Gangart, dafür begannen die Schuhe förmlich in ihre Füße zu beißen. Das würde unter Garantie Blasen geben, doch sie wagte es nicht, ihr Gesicht zu verziehen. Die Gänge waren für den Ehrentag mit prächtigen, roten Vorhängen ausgestattet, alles war sauber und prunkvoll hergerichtet. Die Empfangshalle stellte jedoch alles in den Schatten! Nun stockte der Schülerin ausnahmsweise nicht durch das Kleid der Atem. Die Kronleuchter blitzten vor Diamanten und magischen Lichtern, die Malereien mit Abbildern von Erzmagiern der Akademie schauten huldvoll in den Saal und wo es noch Lücken gab hing ein in Goldrahmen verkleideter Spiegel, der den Saal größer erscheinen ließ. Der marmorne Fußboden wirkte wie erstarrtes Wasser, so stark spiegelte er und Atevora hatte fast Angst darauf auszurutschen. "Eine Dame fällt nicht!", rezitierte sie für sich. Glatt war es nicht, aber die Optik in Kombination mit den Schuhen machte ihr Probleme. Andere Magier und Magierinnen waren bereits dort und ließen ihr Fachgebiet anhand ihrer Prunkroben leicht erkennen. Im Alltag reichte ihnen ein einfacher, farblicher Gürtel, doch hier ging es offensichtlich um den Auftritt. Die Damen in ihren vielfältigen, mit Rüschen, Schleifchen und Seide überhäuften Gewändern wirkten edel und zugleich furchtbar arrogant und abgehoben. Letzteres, bemerkte Atevora, im wahrsten Sinne. Wenn man genau hinsah, konnte man sehen, dass ein paar der Magierinnen kaum merklich auf und ab schwebten.
Den Schülern erging es nicht besser als ihr. Der Filius, so die offizielle Beschreibung, sah wie ein kleiner, unfertiger Meister aus und die Schülerin, Filia, wie eine kleine Edeldame. Wenn man genau hinsah, konnte man aber bei vielen erkennen, dass sie mit der Kleidung zu kämpfen hatten. Die Püppchengesichter wirkten teils gruselig kalt und teils viel zu sehr aufgesetzt und nicht wenige der Damen hatten offenbar Atemprobleme. Dennoch trugen alle ihren Stolz zur Schau. Manche umso verbissener, je schlechter es ihnen ging. Durch das Meer der Perücken und Gewänder gingen Xerxon und Atevora bis zu dem roten Teppich, auf den der Erzmagier Zorlok herankommen sollte. Das Jucken wurde schlimmer, je mehr Atevora sich langweilte. Also belauschte sie die Gespräche der umstehenden Magier.
Einer in der roten Gewandung der Kampfmagier erklärte gerade hochnäsig seiner Nachbarin: "Ihr müsst wissen, dass Zorlok tatsächlich sogar mein Großvater ist. Er hat sich zuletzt zwar sehr zurück gezogen, doch ist sein Ruhm dadurch nicht im Geringsten gemindert worden."
Die Dame fragte daraufhin neugierig: "Habt ihr denn eine Vermutung, weshalb er uns nun besuchen kommt?"
"Soweit ich weiß hat er sich gegen jede Verjüngung gewehrt und dennoch ist er bereits über hundert Jahre alt. Er dürfte das Alter spüren und sein Vermächtnis aufteilen. Ich als sein Enkel und nächster Magier der Familie werde hoffentlich seine Notizen Erben, es gibt so einige interessante Zauber, die ihm nachgesagt werden."
Atevora versuchte ein wenig zu schweben, um besser hören zu können. Dieser Mann wusste offenbar recht viel von dem Besucher. Sie konzentrierte sich und ihre Füße hoben sanft vom Boden ab.
"Mit ein bisschen Glück finden sich vielleicht sogar Zauber dabei, die mir helfen, die höchsten Posten in der Akademie zu erlangen", schloss der Mann gerade.
Die Frau legte den Kopf schief: "Soll das heißen, dass ihr dem Scharlachmagister Xerxon demnächst herausfordern möchtet, Gerbald? Es heißt, dass er seinen Posten in eurem Haus nur über seine Leiche aufgeben würde."
Gerbald antwortete darauf nur: "Dazu müsste ich natürlich zuerst einen passenden Zauber finden, oder eine Schwachstelle. Zu viele Wenns, ich bin jedoch lange nicht der Einzige, der einen Personalwechsel für angebracht hält."
Atevora stand der Schweiß auf der Stirn. Das musste sie unbedingt Xerxon erzählen! Sie wollte sich gerade umdrehen, da stieß der Magier in Rot gegen sie und sie verlor die Konzentration. Ungelenk stürzte sie herunter, das Kleid spannte sich bedrohlich, die Schuhe bohrten sich unangenehm in ihr wundes Fleisch und sie quiekte einmal. "Was? Wer?", fragte Gerbald, während Atevora sich wieder aufstellte die Perücke richtete und es nicht wagte, sich umzudrehen. Glücklicherweise stand gerade ein Diener vor ihr, sodass sie ein Häppchen vom Teller schnappte. "Verdammt!" flüsterte sie, als sie sah, dass es fleischig war. Sie langte noch einmal hoch und fand ein Brot mit Käse, welches sie schnell austauschte. Ein Arm mit roten Ärmeln langte über ihre Schulter. Wollte Gerbald sie festhalten? Sofort brach ihr neuer Schweiß aus.
Doch dann begannen zwei Häppchen in seine Hand zu fliegen und vom anderen Tablett folgten zwei Gläser. Erleichtert atmete Atevora aus. Xerxon musste hier irgendwo in der Nähe sein. Sie wusste zwar, dass es in der Akademie zu Stormhold immer Konkurrenz unter den Zauberern gab, aber er würde es zu schätzen wissen, wenn er seine Konkurrenten kannte.
Noch ehe sie in dem Gewühl aus Rüschen und Samt ihren Meister ausmachen konnte, begann die Menge unruhig zu werden und Aufstellung zu beziehen. Das Raunen von Zorloks Ankunft breitete sich aus. Ohne erkennbare Absprache nahm das Chaos eine Aufstellung an, die Meister schoben ihre Lehrlinge nach vorne und dahinter gruppierten sich die übrigen Magier nach Rang und einige levitierten sich hoch genug, um sehen zu können. Atevora staunte über die so entstandene Schlucht aus Magiern, in der sich langsam eine Person über den Teppich bewegte. Feierlich folgten die Augen der Magier diesem Menschen.
Das Klacken des Zauberstabs hallte durch den Saal und ließ alle Gespräche verstummen. Gebeugt vom Alter ging der greise Magier namens Zorlok über den sauberen Boden an den Reihen der Magier entlang. Gelegentlich kichert er, als er zu dem einen oder anderen sah. Atevora beobachtete angeekelt den Tropfen Rotz, der aus seiner Nase hing und nicht fallen wollte. Seine Robe war alt und alles andere als Glamurös. Alles wirkte abgetragen, geflickt und unedel. Da blieb der Alte stehen und drehte sich zu ihr. Seine blauen Augen schienen messerscharf ihre Seele zu durchdringen. Nie hätte sie bei so einem hutzeligen Mann solche Augen vermutet. Kurz huschte sein Blick zu den anderen Magiern bei ihr herüber.
Er ging einen Schritt in ihre Richtung und wurde dann von einem Husten geschüttelt. Atevora sah Xerxon zur selben Zeit wie Gerbald vorschnellen.
"Liebster Großvater!", schallte es von Gerbald so eindringlich, als könnte Zorlok seinen Enkel vergessen haben. "Lass mich dir helfen, immerhin bin ich dein Enkel!"
"Ja stimmt", murmelte Xerxon, der den alten Zorlok stützte, gerade so laut, dass die beiden Männer und Atevora ihn verstehen konnten. "Gerbald möchte doch im Testament sicherlich erwähnt werden."
Kurz hing der trockene Satz in der Luft. Atevora konnte auf den plötzlich steinernen Gesichtern der umstehenden Magier ein verstecktes Grinsen entdecken. Gerbald schien auch nicht gerade beliebt zu sein. Die Konkurrenz machte vor niemanden halt. Der Magier starrte wütend Xerxon an. Doch Zorloks Anfall verwandelte sich nur in ein erneutes, wirres Kichern.
"Wer seid ihr?" fragte er offenbar ahnungslos und seine Augen drehten sich unsicher im Kreis.
"Ich bin doch dein liebster Enkel", beteuert Gerbald daraufhin nochmal.
"Hä?", Zorlok schien auch schwerhörig. Er pulte sich mit einem spindeldürren Finger Schmalz aus den Ohren und wischte es geistesabwesend an Gerbalds Robe. Atevora ekelte sich jetzt schon vor dem Alten, wagte aber nicht, sich zu regen.
"Ihr müsst durstig sein", erwiderte Xerxon. Eine leichte Handbewegung ließ Weinkrug und Becher heran schweben. Der Wein ergoss sich noch in der Luft in den Becher, den Zorlok überraschend flink aus der Luft schnappte. Er nippte daran und lächelte breit. "Ein guter Wein, Jungchen." Einige Tropfen rannen an seinem Kinn herunter und in den verfilzten Bart. Wieder musste Atevora jede Regung im Gesicht unterdrücken und starrte den Alten nur an.
Unter dem langen Schlapphut erkannte sie wieder den messerscharfen Blick. Dann streckte sich seine knöcherne Hand aus. "Sie", brachte er hervor und deutete auf das Mädchen. Auf einen Wink von Xerxon bewegte Atevora sich auf ihren Stöckelschuhen zu ihm. Mit jedem  Schritt wuchs ihre Abneigung. Zugleich überschlugen sich ihre Gedanken. Was wollte er? War ihre Kleidung noch am Platz? Die anderen Magier starrten sie ganz bestimmt an. "Bloß keine Fehler!", ermahnte sie sich im Stillen.
Dann machte sie vor dem alten einen Knicks, wie es sich für eine Dame gehörte. Sie unterdrückte die Schmerzen und ignorierte die Schweißperle, die an ihrer Wange hing. "Hoffentlich will er keinen Kuss!", schoss es ihr noch durch den Kopf. Oder wollte der Alte mit ihr tanzen? Momentan hielt Atevora fast alles für möglich. "Ich bin Atevora, Filia von Xerxon." Eine kurze Pause trat ein. Atevora blendete Bart und Rotzfaden aus, als sie sich von seinem Blick in kleine Filets geschnitten und begutachtet fühlte. Die Intensität bereitete ihr mehr Unbehagen, als sie wollte. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe er nachfragte. "Was? Eine Filia? Du siehst aus wie eine uralte Dame!"
Atevora konnte förmlich das unterdrückte Gelächter über sie durch die ganze Halle hören. Hoffentlich würde Xerxon ihr das nicht anlasten. Fragend blickte sie zu ihm hoch. Der erwiderte jedoch nur: "Sie ist mein Lehrling, alles andere ist nicht von Bedeutung." Kurz darauf machte er noch eine Handbewegung und ein Stuhl schwebte heran. "Setzt euch einfach, ich bringe euch zu eurem Platz."
Gerbald stieß ihn jedoch an und zischte: "Danke, aber ich kann mich um meinen Großvater kümmern. Ruppig übernahm er die Kontrolle über den Stuhl und stieß Zorlok unsanft darauf. Der Rotzfaden fiel endlich herunter auf die Roben, während Gerbald den Stuhl neben sich levitieren ließ und den Alten nach vorne brachte. Schulterzuckend schenkte Xerxon sich selbst noch Wein ein und sah ihnen nach. Atevora atmete erleichtert auf, als der Alte aus ihrem Blickfeld verschwand. Von hinten war es beinahe komisch anzusehen, wie der pompös aufgetakelte Gerbald auf seinen Stöckelschuhen neben den in staubigem Mantel und altem Hut gekleideten, schwebenden Zorlok ging.
Kaum dass die beiden weiter gegangen waren, brach die vornehme Schlucht langsam zusammen und die Magier unterhielten sich in kleinen Gruppen. Fragend schaute Atevora zu Xerxon, der sie allerdings zur Bühne drehte, auf der neben dem theatralisch perfekt inszenierten Akademieleiter ein Stuhl aufgestellt war. Endlich sah sie Gerbald und Zorlok die Bühne besteigen. Der Magister Magna der Akademie wartete geduldig, dass der Stuhl neben ihm schwebte. Gerbald stellte sich gleich dahinter und die Botschaft war auch für Atevora überdeutlich: "Seht, ich bin Nachfahre von dem Erzmagus hier. Ich werde ihn beerben. Seine Macht wird meine!" Sie musste eingestehen, dass Gerbald nicht unfähig war.
Selbst auf diese Entfernung sah sie Zorloks schneidenden Blick auf die Magier. Endlich begann der Akademieleiter seine Ansprache: "Ich heiße den Erzmagus, Doctore Illuminati magni ascendi Zorlok von-"
"Schluss mit der Laberei!", fuhr eine klare Stimme dazwischen und Atevora erkannte erst beim zweiten Hinhören, dass sie zu Zorlok gehörte. Nie hätte sie ihm eine solche Stimme zugetraut! "Ich bin hier, um meinen letzten Willen und Hinterlassenschaften zu klären. Noch heute entscheide ich, wem ich was vererbe. Bevor mich die Floskeln hier umbringen sei euch eines gesagt: Das Leben bietet so viel mehr, als ihr auch nur erahnt!"
Alle schauten überrascht zu, wie der Alte offensichtlich mit eigener Magie den Stuhl aus dem Raum levitierte und mit rasanter Geschwindigkeit die Haupttreppe hinauf flog. Irritiert begann die Versammlung sich aufzulösen. Atevora war es nur recht, denn sie wollte endlich aus dem kratzigen Kleid heraus. Trotzdem schauderte sie noch einmal, als sie an den Blick des alten Mannes dachte. Xerxon sagte zu ihr: "Lass uns gehen. Wir sollten an deiner Levitation arbeiten." Atevora nickte nur und ihr wurde erst auf dem Weg bewusst, dass sie sich vermutlich selbst aus dem Kleid levitieren sollte. Innerlich stöhnte sie.

Der nächste Tag kitzelte Atevora an den Ohren. Sie streckte sich lang aus und hörte ihre Knochen knacken. Das war ungewöhnlich. Zudem zuckten ihre Ohren. Sanftes Licht fiel in das Zimmer, das grauer wirkte als sonst. Sie schreckte von den Schritten hoch, die sie plötzlich hörte, doch da legte sich schon eine Hand vorsichtig auf Schulter, allerdings nicht fest. Sie schreckte trotzdem auf, als Xerxons Gesicht in ihren Blick geriet. Der Meister bedeutete ihr still zu sein. Als sie nickte, nahm er die Hand von ihr.
"Dich hat es offenbar auch erwischt. Das macht alles noch komplizierter", murmelte er. Atevoras Ohren zuckten erneut, was ein recht komisches Gefühl war. Sie betrachtete ihre Hände, die in einem befellten Handschuh stecken mussten. Erst dann begriff sie, dass es gar kein Handschuh war! Erschrocken schnappte sie nach Luft und hielt sie vor ihr Gesicht. Ihre Finger waren ein wenig kürzer. Als sie damit versuchsweise griff, fühlte sie eine Bewegung ihrer Fingernägel und es fuhren ein paar messerscharfe Krallen heraus! Sie wandte sich schnell zur Seite und ihre neuen Handkrallen verhakten sich prompt im Bettlaken. Alles fühlte sich so unnormal und fremd an, wenn auch nicht schmerzhaft. Sie bäumte sich auf und der Stoff des Bettes wurde von ihren Krallen laut auseinander gerissen. "Was ist das?", fragte sie panisch und sah Xerxon in der Hoffnung auf Antwort an, während ihr Herz wie verrückt klopfte.
"Beruhige dich, Mädchen!", zischte Xerxon und sah wachsam zur Tür, wo sich nichts regte. "Setz dich endlich richtig hin."
Die beruhigende Stimme half Atevora. Er wusste sicherlich, was passiert war. Seine Hände lösten die verhakten Krallen, bis sie auf der Bettkante saß. Ihr weißer Schwanz legte sich ganz automatisch um sie. Das war so ein seltsames Gefühl, dass es Atevora schauderte. Xerxon seufzte: "Hör mir jetzt gut zu, Filia. Wir haben ein Problem. Dieser bescheuerte alte Magier hat es geschafft, eine Menge Chaos zu stiften. Ich weiß noch nicht wie, aber er hat meine Magie versiegelt und dich teilweise in eine Katze verwandelt." Besorgt hörte Atevora einen unsicheren Unterton in seiner Stimme. Xerxon war doch nie unsicher! Erst recht nicht panisch! Aber seine Augen sprachen von sehr starker Besorgnis. "Und wie werde ich dann wieder normal?" Auch ihre Stimme zitterte.
Xerxons Gesicht verfinsterte sich. "Ich weiß es noch nicht. Wir müssen mehr über diesen Zauber herausfinden. Bis wir eine Lösung gefunden haben, musst du all die alltäglichen Magieanwendungen für mich übernehmen und zwar so, dass es niemand merkt, verstanden?"
"Warum denn das? Beweg dich doch einfach mal", antwortete Atevora zu mutig.
Xerxon nahm ihren Kopf in die Hände, drehte ihn zu sich und redete eindringlich: "Das ist kein Spiel, Mädchen. Wenn jemand erfährt, dass ich nicht mehr zaubern kann, bin ich hier mehr als überflüssig und ich kenne ein paar Leute, die sich durchaus freuen würden, mir ohne Magie eine Abreibung zu verpassen. Wenn ich aber untergehe, wirst auch du deinen Meister hier verlieren. Wir können uns also nur gegenseitig vertrauen!"
Atevora traten fast die Tränen ins Gesicht, so fest hielten Xerxons Hände sie. Nie zuvor hatte er so mit ihr geredet. Sie fühlte tief in sich, dass es diesmal wirklich ernst war. Endlich brachte sie ein bedächtiges Nicken heraus. "Gerbald war gestern schon auf deinen Platz scharf", erinnerte sie sich.
Xerxon sah in ihre Augen. "Da ist er nicht allein." Dann atmete er langsam wieder aus und ließ ihren Kopf los. "Gut, dann schauen wir mal, was er mit dir angestellt hat. Schließ die Augen."
Das befellte Mädchen folgte dem Befehl gehorsam und wartete darauf, Xerxons Hände am Kopf oder sonst wo zu spüren. Stattdessen flüsterte er ihr als Nächstes zu: "Gut, jetzt stelle dir einen großen Ball aus Magie vor."
Vor Atevoras innerem Auge begann sich ein hellrosa Ball zu formen, der immer wieder die Farbe wechselte.
"Siehst du den Ball vor dir?", fragte Xerxons Stimme vorsichtig durch ihre Vorstellung,
Atevora wagte nur langsam zu nicken, um die Konzentration nicht zu verlieren. Wie gebannt starrte sie das Bällchen an, das leicht zu hüpfen schien. Eine lose Schlaufe aus Energie ragte daraus hervor. Direkt zum Anspringen. Der äußerste Faden schien eine Art Vorhängeschloss zu haben. Sie spannte sich an. Xerxon sagte noch etwas, aber sie konnte sich nicht zurückhalten. Eine Hand schnellte hervor und wollte nach dem magischen Knäuel tatzen, dann setzte sie zu einem Sprung an. Ihre Muskeln katapultierten sie nach vorne, der Beute entgegen! Sie krachte gegen einen Körper und brachte ein lautes "Uff" heraus. Als sie die Augen öffnete, lag sie auf Xerxon, der sie verwundert anstarrte.
"Da war ein Knäuel und ich konnte nicht anders, tut mir Leid, entschuldige bitte", stammelte Atevora und kroch schnell von dem Mann herunter. Ihr Lehrmeister richtete sich langsam auf und hielt sich den Kopf. "Sei gefälligst vorsichtiger!", ermahnte er sie. Mühsam richtete er sich auf. "Und jetzt erzähl mir, was du gesehen hast."
Die Schülerin berichtete von ihrer Vorstellung. Beim Schloss schien Xerxon nachdenklich zu werden. "Ich fürchte, es verhält sich bei uns beiden ähnlich. Ein Zauber liegt auf uns. Während meiner meine Magie in sich zurück spiegelt und nichts heraus lässt, scheint deiner dich in eine Katze verwandelt zu haben. Der Vorteil bei dir ist, dass du noch zaubern kannst. Aber der Zauber nährt sich von deiner Kraft und wird dich schwächen, bis deine Magie aufgebraucht ist."
Atevora legte den Kopf schief. "Was soll das heißen?"
"Das heißt, wenn wir nicht bald einen Schlüssel für dein Schloss finden, wirst du schlaff im Bett liegen und deine ständig regenerierte Kraft wird in den Katzenzauber fließen. Wir haben nicht viel Zeit und noch weniger magische Kraft." Xerxon schaute sie einschätzend an. "Zaubere nur, wenn ich es tun würde. Wir werden deine Magie brauchen!"
"Aber du zauberst doch ständig!", warf die Scholarin ein. "Die Krüge mit Wein, das ständige herumlevitieren und ein Duell kann ich kaum für dich bestreiten!"
"Wir werden solche Situationen meiden. Es ist jetzt wichtig, dass wir nicht auffallen. Unsere Probleme werden bald gewaltig, wenn jemand erfährt, wie es um meine Magie steht."
Atevora nickte. "Und wie sieht so ein Schlüssel aus?", fragte sie schließlich.
"Das kann wirklich alles sein. Wir werden suchen müssen. Vielleicht finden wir in der Bibliothek einen Hinweis. Es lässt sich bestimmt ein Werk von Zorlok finden. Dies ist eins seiner Spezialgebiete, wegen denen viele hinter seinem Erbe her sind."
Xerxon ging zur Tür und sah Atevora kurz durchdringend an. Sie seufzte einmal und wiederholte gehorsam: "Nicht zaubern, außer du würdest zaubern."
Ihr Mentor nickte zufrieden, öffnete schwungvoll die Tür, trat hinaus und stieß mit einer anderen Person zusammen. Beide taumelten zur Wand. Atevora sprang nach draußen. Dort sah sie den Magier von gestern. "Gerbald!", hörte sie Xerxon ausrufen, während sich Blätter und Hefte auf dem Boden verteilten. Atevora schwindelte plötzlich und ihre Beine wollten sie nicht mehr tragen. Sie sank zu Boden, wobei ihre Beinkleidung unangenehm spannte und sich falsch anfühlte. "Keine magische Kontrolle am Morgen?" Bekam sie noch von Xerxon mit. Verwirrt schüttelte sie den Kopf und versuchte sich wieder zu konzentrieren. Sollte sie nicht zaubern? "Werde euch beobachten. Es geschieht viel Seltsames in diesen Tagen.", bekam sie gerade noch mit. Es klang wie eine Drohung. Dann fanden sich ihre Sinne endlich wieder zusammen. Sie sah Gerbald an, der wiederum auf sie starrte und dann missbilligend auf Xerxon. "Verwandlung ist noch viel zu schwer für sie. Du bist wirklich ein mieser Lehrmeister." Eine so direkte Anschuldigung war ungewöhnlich und konnte schnell in einem Duell enden. Gerbalds Gesichtsausdruck wechselte schnell in ziemliche Besorgnis, als er erkannte, dass seine Wortwahl unvorteilhaft war und er stürmte an ihnen vorbei. Die Papiere flatterten auf eine Handbewegung hin hinter ihm her und sammelten sich wieder in seiner Hand.
Nun sah sie Xerxon, in dessen Gesicht Missbilligung, Wut und Verwunderung miteinander zu kämpfen schienen. Schließlich purzelte das Wort "Verdammt" aus seinem Mund. Atevora sah an sich herunter. Das Fell war gänzlich verschwunden. Stattdessen reihten sich viele graue und weiße Schuppen aneinander und bildeten ein durchgehendes Geflecht von den Armen, bis zur Schwanzspitze. Das Mädchen brauchte ein paar Sekunden, ehe sie begriff, dass sie keine Beine mehr hatte und ihre Bekleidung zerrissen zwischen ihren Windungen lag.
Verwirrt sah sie Xerxon an, unsicher ob sie nun lächeln, oder heulen sollte, oder ihn fest umarmen und mit den langen Körper drücken. Erneut stieg Panik in ihr auf. Sie hatte es gerade geschafft die Katze ansatzweise zu akzeptieren, da wurde sie zur Schlange. Unwillkürlich glitt ihre Zunge nach vorne und der Eindruck vieler Gerüche flutete ihr Gehirn. Sie bewegte ihren Unterleib, was sich seltsamer anfühlte als alles Bisherige. Auch Xerxon schien wieder unsicherer zu werden. Das verriet ihr sein Zögern und Anstarren. Dann endlich legte sich wieder beruhigend seine Hand auf eine ihrer Windungen. Er schien sich nicht vor ihr zu fürchten. Warm und vertrauend ruhte sie dort und sie beruhigte sich langsam wieder.
"Ich habe mich geirrt", brachte ihr Lehrmeister endlich heraus, "du wirst nicht einfach zur Katze, sondern passt dich deiner Umgebung an. Erst die Hauskatze, jetzt die Schlange im schlängelnden Gang. Das macht es nicht leichter." Atevora warf ein: "Heißt das, ich werde nochmal anders aussehen?" Sie konnte ein angstvolles Schlucken nicht verhindern. Er beugte sich zu ihr: "Davon müssen wir ausgehen, bis wir die Lösung haben." Dann sah er sie genauer an. "Geht es dir gut? Kannst du dich bewegen?"
Atevora versuchte ihren langen Körper dazu zu bringen, sich zu entrollen und ihr eine aufrechte Position zu verleihen. Nach ein paar Versuchen gelang es ihr, aufrecht vor ihm zu 'stehen' und ihren Schwanz als Gegengewicht zu verwenden. Die Muskelstränge waren etwas völlig anderes als Beine und diese blassen Schuppen fühlten sich seltsam, aber geschmeidig an. Sie nickte bedächtig, war aber immer noch verwirrt über die neue Körperform.
"Du musst dich konzentrieren, Kind. Du hast auch deinen Einsatz verpasst.", grummelte Xerxon. Atevora spürte eine kurze Welle des Zorns hochkochen und richtete sich auf, zu einer ebenbürtigen Größe. "Tut mir Leid, dass ich damit beschäftigt war, meine Beine zu verlieren", zischte sie fast und das gespaltene Zungenende flatterte aufgeregt. Sie schauderte, was durch ihren ganzen Körper ging und schämte sich daraufhin und sank wieder in sich zusammen. Dann spürte sie die Hand von Xerxon auf der Schulter. "Pass das nächste Mal einfach besser auf, in Ordnung?"
Etwas Freundlicheres würde sie wohl kaum von ihm zu hören bekommen, also fügte sie sich, wie sie es gewohnt war. Er würde sicherlich alles tun, ihr wieder zur Normalität zu verhelfen. Ihr Lehrer verschwand noch schnell in ihrem Zimmer, Stoff riss zweimal in einem hässlichen Ratschen. Dann kam er mit einer Robe zurück. "Zieh besser diese hier an."
Atevora nahm die ältere Robe und sah, dass zwei längliche Risse auf der Rückseite waren. "Warum hast du das gemacht?", fragte sie.
"Du wirst dich vermutlich noch öfter verwandeln. Ich will nicht, dass du nackt bist. Das gibt nur noch mehr Fragen und unnötige Aufmerksamkeit. Die Robe hat keine Probleme mit Beinen oder Anderem, die Risse reichen hoffentlich für Flügel oder Ähnliches. Jetzt zieh sie über und komm mit zur Bibliothek."
Eilig tauschte Atevora die verbliebene Kleidung mit der Robe und warf die Reste in ihr Zimmer. Dann folgte sie ihm, ohne darüber nachzudenken, sodass ihr langer Schlangenleib wie von selbst über den weichen Teppich und die harten Fliesen glitt. Neugierig begann sie, sich zwischendurch höher aufzurichten, bis es ihr zu anstrengend wurde.
"Du meinst, ich kann vielleicht auch einmal fliegen?", fragte sie Xerxon schließlich, der noch immer nicht besonders glücklich aussah.
"Ich kann es nicht ausschließen. Es ist zwar nicht sicher, dass du fliegen kannst, nur weil du Flügel hast, aber es kann sein", erklärte er und nahm schnell die Treppe, während Atevora sich um die Stufen nicht im Geringsten scherte. Neugierig betrachtete sie die Schuppen, die sich ganz glatt und geschmeidig und überhaupt nicht schleimig anfühlten. Fließend nahm sie die Stufen, ohne eine Schrittlänge beachten zu müssen. Xerxon hingegen atmete schwerer als gewöhnlich. Er lief selten die Treppen hoch, sondern levitierte meist, wie fast alle Magier.
Ihnen kam eine Magierin entgegen, die zwei Köpfe besaß, welche sich nun offenbar stritten. Grotesk begann sie die Stufen herunter zu wanken, ohne auf Xerxon und Atevora zu achten. Dass es überhaupt noch Treppen gab, war den Heerscharen an unmagischen Dienern und gelegentlichen Besuchern zu verdanken. Nicht wenige Magier levitierten sich durch Fenster, wenn sie es eilig hatten. Dieser Magierin war Magieeinsatz derzeit aber offenbar zu heikel.
"Mich beruhigt nur, dass wir offenbar nicht die Einzigen mit Problemen sind", erklärte Xerxon schließlich. "Das heißt, sie sind nicht ganz so aufmerksam."
"Ich könnte Gerbald vielleicht versehentlich beißen", warf Atevora ein, die gerade überlegte, ob sie nun auch Giftzähne besaß.
"Netter Gedanke", kommentierte Xerxon, "nur leider recht stillos und ich müsste auf deine Hilfe verzichten, da du von der Akademie sicher verwiesen würdest."
Atevora zischelte einmal unzufrieden, gab sich aber damit ab, während sie den langen Schlangenkörper interessiert auf verschiedenen Böden gleiten ließ und das Gefühl dabei in sich aufnahm, bis sie zur Bibliothek kamen.
Kaum, dass sie die breite, doppelflügelige Tür passiert hatten, merkte Atevora jedoch erneut, wie ihr Körper nachgab. Ihr wurde dunkel vor Augen und sie bekam am Rande ihres Bewusstseins noch mit, wie ihr eine Hand auf die Schulter gelegt wurde. Ein Dröhnen ging durch ihren Kopf und sie spürte ihre Atmung schwer, wie nach einem kilometerlangen Sprint. Als sie schon dachte, vollständig zusammen zu brechen, gab der Wirbel in ihrem Kopf und das verwirrende Verdrehen in ihrem Körper nach. Sie schaffte es, sich wieder aufzurichten und merkte, dass sie wieder Beine besaß. Ihre Sicht klärte sich und gab den Blick auf eine recht spitze Schnauze frei. Weißes Fell erstreckte sich dort. Mit den zuckenden Ohren hörte sie gerade noch, wie jemand sagte: "...hat sie offenbar recht hart erwischt. Der Alte sollte sich schämen. Wenn ich eine Lösung finde, gebe ich euch Bescheid."
Dann konnte Atevora sich endlich genug zusammenreißen, um festzustellen, dass ein Mann gerade die Bibliothek verließ und dabei an der Decke lief. Xerxon war wieder mit ihr alleine. Er hatte sich zwar nicht nieder gekniet, aber sein Mantel gab ihr doch einen ganz guten Sichtschutz vor anderen.
"Was war los?", fragte sie und begann doch sofort selbst mit einer Bestandsaufnahme. Neben der Schnauze gab es Arme, Beine und offenbar einen Schwanz. Ihre Hände waren auch fast normal, aber kleiner als sonst war sie. Dann bemerkte sie Xerxons erzürnten Blick und wich unwillkürlich ein wenig zurück mit einem hohen Fiepen, das sie selbst überraschte.
"Dieser Zauber ist wirklich idiotisch", erklärte der Meister. Mit tiefem Sarkasmus fuhr er fort: "Ja, eine Leseratte ist doch so ein tolles Wortspiel. Ha Ha." Er schüttelte einmal den Kopf, während Atevora langsam begriff, was sie geworden war. Ein Schaudern durchlief ihren Körper. Sie kannte Ratten, aber selbst eine zu sein, das war- irgendwas zwischen faszinierend und ekelig. Xerxon seufzte: "Freu dich, kein Bücherwurm zu sein."
Als Atevora sich aufrichtete, bemerkte sie, dass sie immerhin noch über einen halben Meter maß. "Und jetzt?", fragte sie schließlich, um den Aufenthalt nicht zu lang hinaus zu zögern. Sie konnte sich gerade noch fangen, als sie einen leichten Schwächeanfall spürte.
"Wir werden hier bleiben und suchen, es hat auch andere erwischt. Von da her sollte deine Verzauberung nicht weiter negative Folgen haben, außer für deine Magie. Es herrscht ein gewisses Chaos. Komm mit."
Gehorsam folgte Atevora ihrem Meister, der zielsicher zwischen den Regalen entlang schritt. Sie selbst wechselte immer zwischen schnellen Hüpfern auf allen Vieren und großen, aufrechten Schritten. Sie merkte zwar recht schnell, wenn sich jemand näherte und auch die vielen Flusen, Fussel und vereinzelten Blätter unter den Regalen entgingen ihrer neuen Sicht nicht. Doch wirklich nützlich schien ihr diese Gestalt nicht zu sein. Endlich hielt Xerxon vor einem Regal.
"Hier sollten wir fündig werden, wenn es etwas gibt", erklärte er und streckte die Hand aus, um die Buchrücken entlang zu streichen. "Normalerweise gibt es dafür praktische Zauber", erklärte er nervös, "aber die sind noch zu schwer für dich. Pass am besten auf, dass niemand uns beobachtet!"
Die Filia nickte und beobachtete die Umgebung. Für alle Fälle hielt sie sich bereit, irgendein Buch zu levitieren. Niemand schien sie direkt anzuschauen. Die meisten hatten wohl eigene Probleme. "Auch nicht", presste Xerxon hervor und stellte ein Buch zurück. "Vielleicht sind wir zu spät", murmelte er mit leichtem Zittern. in der Stimme, was Atevora ebenso nervös machte.
Ihre Sinne schlugen urplötzlich Alarm. Als wenn ein Name in ihrem Gehirn in roten Flammen detonierte, schoss ihr Kopf zur Seite und sie bemerkte den forschenden Blick von Gerbald auf Xerxon ruhen. Im Bruchteil eines Augenblicks war ihr klar, dass der Magier nach einer Schwachstelle ihres Meisters suchte und sie klar erkennen würde, wenn er keine Magie nutzte. Sie wandte sich ab und ließ ein Buch wahllos aus dem Regal in Xerxons Hand fallen. Ihr Meister sah sich den Titel an.
"Filia? Was soll ich mit magischen Strickmust-", begann er seine Frage, doch Ate fiepte einen kurzen, schrillen Warnton und raunte anschließend: "Gerbald."
Wie vom Blitz getroffen schlug Xerxon scheinbar interessiert das Buch auf, während der andere Magier sich näherte. Missmutig musterte der hochgewachsene Mann in seiner roten Gewandung den Meister und die Schülerin. "Die Abteilung für magische Kuriositäten? Sucht ihr etwa nach Büchern meines Großvaters?", fragte er scheinbar interessiert.
"Wie du siehst, hat meine Scholarin ein Abschiedsgeschenk von deinen Großvater mitbekommen, das behoben werden sollte", erwiderte Xerxon kühl.
"Seine Bücher sind schon allesamt von anderen verliehen, inklusive mir. Wie sollen euch denn bitte magische Strickmuster weiter helfen?", fragte er dann mit offenkundigem Misstrauen.
Xerxon lächelte, aber Atevora erkannte schnell, dass er keine direkte Antwort wusste. Sie sprang kurz vor und fiepte, was ihn zurückweichen ließ. "Eine wirklich ekelhafte Gestalt hat er eurer Filia verliehen, das solltet ihr bald beheben." Atevoras Zorn erwachte. Niemand sollte sie ekelhaft nennen! Erst recht nicht dieser Drachenschiss. "Ich hoffe, es gibt ein magisches Strickmuster, um aus einen narzisstischen, profilierungssüchtigen Schleimbeutel wie dir Rattenfutter zu machen."
"Filia!", erhob Xerxon mahnend die Stimme und erklärte dann an Gerbald gewandt: "Nunja, ich fürchte, in dieser Gestalt fällt es ihr schwer, sich zurück zu halten."
"Das war keine Entschuldigung", stellte Gerbald fest.
"Für eine Entschuldigung sehe ich keinen Grund, ich halte viel von der Wahrheit", erklärte der Magier. Aus irgendeinem Grund schien dies den spionierenden Gerbald so zu erschrecken, dass der Bücherstapel in seinen Armen wankte und in sich zusammenbrach. Eine Unzahl einmaliger Folianten verteilte sich auf dem Boden.
"Ich werde dir schon deine Sprüche zurück zahlen!", zischte er wütend. Schien sich dann aber erneut zu besinnen, dies war nicht weniger eines Duells wert. Trotzdem wich er zurück und ließ mit einer fahrigen Bewegung die Bücher in seine Arme schweben. Dann floh er schnellen Schrittes aus der Bibliothek.
Einen kurzen Moment lang meinte Atevora Verblüffung in Xerxons Gesicht zu sehen. Auch sie hatte mit einer stärkeren Auseinandersetzung gerechnet. Aber es war beiden durchaus recht, den Kontrahenten los zu sein.
"Woher kennst du eigentlich solche Wörter? Profilierungssüchtig gefiel mir gut", fragte Xerxon.
"Ich habe das mal irgendwo gelesen, glaube ich", erklärte Atevora, die selbst keine Antwort darauf hatte.
"Haha", sagte Xerxon wieder trocken und völlig humorlos. "Leseratte, wir haben es verstanden."
Die Scholarin nahm ein Buch auf, das halb unter das Regal gefallen und von Gerbald anscheinend vergessen worden war.
"Dies stammt von Zorlok!", meinte sie dann mit einem freudigen Fiepen und reichte es Xerxon hinauf.
Der nahm es neugierig und las den Titel "Schlüssel Schloss und schelmischer Schabernack. Ich fürchte, er war sehr stolz auf diesen Buchtitel." Dann blätterte er darin. "Sehr gut, Filia, das hilft uns sicher weiter!"
Daraufhin verbrachten sie einige Zeit damit, das Buch zu studieren. "Letztlich", fasste Xerxon dann zusammen, "läuft es für uns also darauf hinaus, dass der Zauber an etwas stark Persönliches geknüpft ist. Das können Taten oder Gegenstände sein. Wenn wir diese finden, löst sich der Zauber von alleine. Wir müssen also Dinge mit ideellen Wert finden oder für uns besondere, unnormale Taten vollbringen.
Atevora überlegte, aber ihr fiel nichts ein, was mit dem Zauber verbunden sein könnte. "Vielleicht stelle ich heute Abend mal mein Zimmer auf den Kopf und fasse alles einmal an", dachte sie laut.
"Nicht die schlechteste Idee, Filia, aber ich bezweifle, dass du so Erfolg haben wirst." Er streckte sich aus. "Es ist Zeit für Mittag. Wenn wir beim gemeinsamen Mahle fehlen, wird es ungewollte Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Außerdem brauchen wir etwas im Magen für den Nachmittag. Denke daran, dass du für mich levitieren musst. Das wird sicher nicht ganz leicht für dich."
Mit einem breiten Rattenlächeln sah sie ihren Meister an. "Bisher klappt es doch ganz gut, meinst du nicht?"
"Lass dir den Erfolg von gerade nicht zu Kopfe steigen, das war knapp und Glück!", ermahnte ihr Meister sie daraufhin, während sie sich zum Speisesaal begaben. Auf dem Weg wurde Atevora dann klar, dass die ungewollte Aufmerksamkeit nur Xerxon selbst gelten konnte. Immer wieder starrten die anderen Magier und Bediensteten sie an. Einige wichen zurück, andere zeigten wissenschaftliche Neugier, wieder andere Mitleid, aber allesamt nervten sie hauptsächlich. Xerxon wurde dagegen nicht müde zu erklären, dass es wohl im Rahmen von Zorloks Besuch zu seltsamen Veränderungen gekommen sei, die offenbar auch anderen zugestoßen waren. Einigen Betroffenen gab er einen Hinweis, anderen nicht.
"Falls ihr eine Lösung für die Probleme findet, lasst es mich bitte wissen", murmelte eine Magierin. Ihre Haare waren auf eine Länge gewachsen, dass sie mühelos für ein Seil reichen würden. Sie hatte das Problem vorerst mit vielen Knoten gelöst, sah aber wie ein laufendes Fellmonster aus. Xerxon nickte nur freundlich und ging in den Speisesaal, während Ate folgte.
Kaum angekommen wurde ihr vom Geruch ganz anders zu Mute. Sie fühlte sich zugleich, als müsse sie sich übergeben und alles Essen, was es gab. Ihr wurde langsam schwarz vor Augen, doch sie bekam gerade noch mit, dass ihre feingliederigen Hände breiten Pranken wichen. Dann schwindelte ihr nur noch kurz und sie kippte ganz um.
Hände hielten sie. Diese fühlten sich geradezu winzig und unbedeutend an. Sie meinte dichtes Fell zu spüren und schlug erwartungsvoll die Augen auf, denn ihre Nase sagte ihr, dass es reichlich zu Essen gab! Atevora verspürte unbändigen Hunger. Ihr erster Blick fiel jedoch auf die umstehenden Magier. Neben Xerxon war noch eine andere dabei und schien sich um ihre Gesundheit zu sorgen.
"Wirklich ganz ausgezeichnetes Bärenfell!", stellte sie gerade fest. "Auch wenn neben dem ordinären Braunbär viel lustigere Artverwandte zur Verfügen stünden. Ich hörte von einer Art ganz in schwarz und weiß, sehr verspielt und..."
Sie war definitiv keine Ärztin. Es klang eher, als messe sie einen Pelzmantel an. "Lasst mich was essen!", brachte Atevora ungehalten hervor und rollte sich herum. Ihre Robe spannte sich an und man konnte bedrohliches Knacken von den Nähten hören. Sie merkte überrascht, dass es ihr ein Leichtes gewesen wäre, den Stoff zu zerreißen. Und nicht nur den. Vielleicht ließen sich auch all die anderen Zauberer aus dem Weg drängen, die zwischen ihr und dem Essen standen!
"Komm zu dir, Filia!", ermahnte Xerxon sie gebieterisch. Oder war da sogar ein kleiner Zweifel in seiner Stimme? Atevora entschied jedenfalls vorerst, auf ihn zu hören, auch wenn sie im wahrsten Sinne einen Bärenhunger hatte!
Sie ließ sich neben ihrem Meister am Tisch nieder. Der alte Sessel gab bedenklich knackende Geräusche von sich. Dann betrachtete sie ihre Bärentatzen. Andere beobachteten sie. Das konnte ihr egal sein, solange sie zu Essen bekam. Endlich nahm sie eine ganze Schüssel mit Beeren und ließ dann mit etwas Anstrengung die Nüsse herüber schweben, die sie vorsichtig hinein schüttelte. Plötzlich war die Schale leer. Als Nächstes hielten ihre Gedanken auf den gebratenen Schinken zu. Sie ignorierte das Knuffen in die Seite. Der Schinken war seltsamerweise auch schnell gänzlich in ihre Schale gewandert. Zum Schluss kam der Honig, aber das Glas schien kaum noch gefüllt zu sein. Seltsam, das Knuffen in ihre Seite wurde noch stärker. Gerade wollte sie ihre Schnauze in die Schale tauchen, da fühlte sie das dringende Boxen in ihre Seite. Genervt schaute sie zu Xerxon, der noch immer vor einem leeren Teller saß und ihr einen Löffel anbot.
"Das geht auch ohne Löffel", lächelte sie ihn an. Doch in seinem Blick erkannte sie recht bald einen tiefer liegenden Zorn, der sie zu verbrennen drohte, wenn sie nicht gleich zu einem intelligenten Wesen wurde. Da kochte die Erinnerung wieder hoch. "Danke", sagte sie und nahm den Löffel in ihre Tatze. Es war nicht ganz leicht, aber mit ein wenig Anstrengung schaffte es tatsächlich mit der einen Pranke mit dem Löffel zu essen, während die andere unter dem Tisch für Xerxon Speisen herbei holte. Während sie genüsslich aß, war sie durchaus ein wenig stolz darauf, ihren Meister so einfach helfen zu können. Zugleich merkte sie die neugierigen Blicke anderer Magier, die offenbar noch nie einen Bären mit Besteck gesehen hatten.
"Ich wusste gar nicht, dass du vegetarisch isst", erschallte die unangenehme Stimme Gerbalds von der anderen Seite herüber. Atevora sah verstohlen zur Seite und bemerkte erst jetzt, dass sie für Xerxon ein rein pflanzliches Gericht zusammengestellt hatte, wie sie es sonst für sich selbst tat. Überhaupt, wie kam sie darauf, Fleisch zu essen?
In jedem Fall war es zu spät, um jetzt als Alibi Fleisch hinzuzugeben.
"Meine Filia ist zuletzt auf diese dumme Idee gekommen, kein Fleisch mehr zu essen. Ich sagte ihr, mehr im Scherz, dass ich am ersten Tag kein Fleisch esse, an welchem sie welches nimmt und ich stehe zu meinen Versprechen", höfliches Gelächter erklang, immerhin war noch nie beobachtet worden, dass Xerxon sich auf so etwas auch nur im Ansatz eingelassen hätte. Atevora hingegen sah beschämt hinunter, sie hatte wirklich gar nicht aufgepasst. Weniger enthusiastisch aß sie auch den Rest ihrer Schale auf, während Gerbald zweifelnd zu ihnen herüber sah. Seine gemeinen Augen zogen sich in Konzentration zusammen. "Ich bin gespannt, wer noch alles von Zorloks magischen Geschenken bekommen hat", murmelte er gerade laut genug, dass Xerxon sich angesprochen fühlen konnte. Atevora beschlich das unangenehme Gefühl, dass ihr Meister aufgeflogen war. "Leider kann er es nicht mehr sagen."
"Was? Warum?", platzte es aus Atevora heraus.
Gerbald antwortete feierlich: "Vor nicht ganz einer Stunde hat er sein Leben ausgehaucht. Das bedeutet, dass morgen sein Testament geöffnet wird und mir all seine Habseligkeiten vererbt werden. Dann kann ich diesem Chaos hier ein Ende bereiten." Höfliches Tischklopfen begann. Vor allem da es an ihrem Tisch noch weitere Opfer gab. Eine Magierin mit einer beständig um sie her schwebenden und auf alle Flächen herum schreibenden Feder und einen Magier der offensichtlich nur noch mit Gesang reden konnte.
"Er soll noch auf dem Sterbebett Änderungen gemacht haben, ich weiß aber nicht, welche genau." Er schien sich auf die Zunge zu beißen. Zum Schluss wurde seine Stimme immer gepresster, als wollte er etwas sagen und doch nicht sagen.
"Musst du auf die Toilette?", fragte Atevora verwirrt, als sie sein angestrengtes Gesicht sah. Der Tisch lachte laut auf.
"Nein, du vorlaute Göre, ich wollte nur nicht zu viel reden!", giftete Gerbald zurück.
"Durchaus ein löblicher Vorsatz", bemerkte Xerxon trocken. Weiteres Gelächter erscholl.
Wutentbrannt stemmte Gerbald sich auf und verließ ohne ein weiteres Wort den Tisch. Dort wo seine Hände gewesen waren, knisterte es leicht und ein wenig Rauch stieg auf.
"Bei so viel Druck sollte er vielleicht doch auf die Toilette", bemerkte eine andere Magierin mit einem Federumhang und erneut lachte der Tisch. Dabei bemerkte Atevora, dass es kein Federumhang, sondern riesige Schwingen waren, mit denen sie ungeschickt zu essen versuchte!
Kaum, dass das offizielle Essen vorbei war und die meisten Tischgäste gegangen waren, drehte sich Xerxon zu Atevora. Sie erschrak über seinen zornigen Ausdruck.
"Wirklich, es tut mir leid, ich wollte dir keinen Salat machen, ich war nur so hungrig und konnte kaum noch denken." Mit einer gänzlich unmagischen, aber sehr autoritären Geste wischte Xerxon zur Seite und Atevora schloss ihren Mund wieder.
"Ich bin nicht auf dich sauer," sagte ihr Meister und korrigierte dann: "nicht nur auf dich. Der Zauber verhöhnt uns. Kindereien wie eine 'Leseratte' sind ja ganz toll, aber 'Bärenhunger' geht zu weit! Einerseits hast du das Essen zwar wirklich gebraucht, um deine Kräfte aufzufrischen, aber dich so sehr in der Intelligenz zu trüben, dass du mir einen Salat vorsetzt." Er schüttelte den Kopf.
Betreten schaute Atevora zu Boden. "Es tut mir leid", wiederholte sie noch einmal.
"Mach es in Zukunft einfach besser. Jetzt zeige mir, dass du nicht ganz dämlich bist, was hat uns Gerbald denn verraten?"
Atevora überlegte kurz: "Zorlok ist tot, sein Testament leicht geändert. Das heißt wohl, dass nicht alles an Gerbald geht! Oder vorher nicht alles an ihn ging. Außerdem kann Gerbald mit Kritik nicht umgehen und er scheint mehr gesagt zu haben, als er wollte. Oder hat mit Mühe etwas zurück gehalten. Vielleicht ist er ja auch verflucht?" Xerxon nickte beifällig. "Weiter!"
Die Filia dachte kurz nach: "Vielleicht ist auch er verflucht und geht deswegen allen Konfrontationen aus dem Weg."
"Guter Gedanke", kommentierte Xerxon "Jetzt denke über die Flüche nach."
"Es hat viele Magier getroffen. Es war seine letzte Tat, vielleicht hat es mit seinem Testament zu tun! Oder eine Art Lehre!"
"Richtig und das würde zu seiner bescheuerten Art am Empfang passen", überlegte Xerxon laut. "Er hatte überhaupt keinen Grund uns zu verfluchen, dich kannte er gar nicht und mich nur ganz vage. Es muss etwas sein, dass er von uns erfahren hatte, oder das über uns bekannt war. Dass ich viel zaubere ist kein Geheimnis. Bei dir weiß ich es noch nicht."
Er stand mühsam auf. "Wir haben noch ein wenig Zeit, lass uns diese nutzen, solange du überhaupt noch magische Kraft hast."
Atevora stellte sich ebenfalls hin. "Ich könnte Bäume ausreißen!", gestand sie nicht ohne Stolz in ihrer bärig-tiefen Stimme.
"Keine dummen Witze. Du hast mich beim Essen fast blamiert und auffliegen lassen", brummte Xerxon.
"Dafür hast du mich als Ablenkungsmanöver benutzt", konterte Atevora, der die vielen Blicke am Tisch und in den Fluren wieder einfielen.
Xerxon erstarrte kurz. "Zugegeben, es war nicht freundlich, aber effektiv. Lass uns jetzt lieber weiter schauen. Wenn Zorlok meine magische Kraft blockierte, weil ich sie zuvor für alles verwendete, kann Arbeit vielleicht der Schlüssel sein. Unsere nächste Station ist also der Garten."
Atevora nickte und folgte Xerxon hinaus, während ihre Robe eng an ihrem Körper knackte und immer wieder zu reißen drohte. "Und wehe, der Zauber macht dich draußen zum Insekt", grummelte der Meister. Atevora dachte an das passende Sprichwort und murmelte: "Fleißig wie eine Biene". Das brachte ihr einen weiteren Knuff von Xerxon ein, der aber kaum bis zu ihr durch drang.
Noch während sie den Gang entlang zum Garten schritten, begann der Duft in ihren Nasen zu kitzeln. Tulpen, Rosen, Maiglöckchen, Vergissmeinnicht und viele andere Pflanzen standen in voller Blüte. Ohne Magie wäre es unmöglich gewesen, so viele unterschiedliche Pflanzen zeitgleich blühen zu lassen, doch der Gartenzauber kannte auch Grenzen. Immer wieder störten heruntergefallene Blütenblätter das Bild und manchmal hing der Rest einer einst schönen Blumenkrone traurig hinab.
Vorsichtig nahm Xerxon sich eine Blumenschere und wog sie in der Hand. "Da der Zauber so netten Schabernack mit dir treibt und mich damit in den Wahnsinn, gehe ich davon aus, dass Zorlok mich mit den Händen arbeiten sehen will."
"Das machst du sonst ja auch kaum. Eine Handbewegung und alle erledigt sich von alleine", warf Atevora mit tiefer Stimme ein.
"Und damit er sicher gehen kann, dass ich meine Hände schmutzig mache, gibt es wohl keinen besseren Weg, als meine Magie zu nehmen," seufzte Xerxon.
Die Lehre der Vererbung 1
Der Lehre erster Teil. Leider ließ sich die Geschichte nicht als ein einziger Teil hochladen.
Naturama Commission für :iconrunenwinter: :D
Eine kleine Hintergrundgeschichte für ihren Charakter Atevora und eines besonderen Erlebnisses in ihrer Magierausbildung.
Fortsetzung: terralux.deviantart.com/art/Di…
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terralux
Germany
Hey there!

I'm some kind of a writer, but only in german.
My favorite topic is fantasy, but some times i write science fiction as well.

Current Residence: Germany
Interests
Hey ho!

I got tagged (again) by :iconwer-kater:
Please, no tagging back this time, i don't have enough facts, i guess. XD

Rules:
1. Post 8 facts about your character.
2. Tag 8 other characters.
3. Post their names along with their creators' Avatars.


Ankh

Cm: Ankh Aszul by Takesu

1. I do like to comission realistic pictures more than toony ones.
2. I like big wings and membranes which reach to the tail. :)
3. The only birdy parts left are the toes on the hind leg, which points backwards, and the partly beaklike muzzle.
4. I also comissioned him as Anthro (humanized) dragon and also genderswitched (just because of interest, but you will have a hard time to find this pics online. ;) )
5. I guess its obvious, but i could mention, that he is an alter ego of me. Well at least he is by my side since something around 2000. Pretty long time.
6. There are no pictures of him "mating" with someone and i will most likely stick to that.
7. If he would have a hoard it would be out of books and creative things, as much as weapons.
8. I'm running out of facts, well last one: I also have comissioned a telegramm-sticker-set from the awesome :iconsuzidragonlady: via naturama Projekt. :D

No tags this time, i did tag in the last journal. ;)

Comments


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:iconeinsamer-wanderer:
EINsamer-wANDERER Featured By Owner Jul 23, 2017  Hobbyist Writer

Hallo und herzlich Willkommen

bei :icondeutschedichter:

 

Wir wünschen dir viel Spaß.

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:iconnievaris:
Nievaris Featured By Owner Mar 18, 2016  Professional Digital Artist
Oh, vielen lieben Dank für all deine Kommentare ;_;
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:iconterralux:
terralux Featured By Owner Mar 18, 2016
Gerne doch! Ich mag deine Bilder einfach. :D
Reply
:iconschneeamsel:
SchneeAmsel Featured By Owner Aug 3, 2015  Student Digital Artist
Thank you for the watch :aww:
There's a llama for you
:iconllama-plz:
Reply
:iconterralux:
terralux Featured By Owner Nov 28, 2015
Wohoo! Lama! (Super-late answer is super-late)
Thank you for nice Art! :D
Reply
:iconschneeamsel:
SchneeAmsel Featured By Owner Nov 29, 2015  Student Digital Artist
no problem xD
normally i reply months after a message too xDDD
Reply
:iconnightpark:
Nightpark Featured By Owner Jan 9, 2015  Hobbyist
Lieben Dank für den watch! :)
Reply
:iconterralux:
terralux Featured By Owner Jan 10, 2015
Danke, gleichfalls! :D
Reply
:iconkoeteren:
Koeteren Featured By Owner Jul 16, 2013  Hobbyist General Artist
Here's to you, deer friend!
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:iconpilar05:
Pilar05 Featured By Owner Jul 18, 2012
Alles gute zum schlüpftag Terra
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